SIA – Signifikanten-Interaktionsanalyse

Vorankündigung 

Passagen Philosophie

Der Umgang mit Gewordenem. Signifikanten-Interaktionsanalyse

Stefan Lindl

2017. Ca. 112 Seiten. 6 SW-Abbildungen.

12,8 x 20,8 cm. Brosch.

Ca. € 12,90

ISBN 978-3-7092- 0292-0

Erscheinungstermin: Herbst 2017

Wie gehen wir mit Gewordenem um, wie bedingt das Gewordene unser Handeln? Wie interagieren das Gewordene und wir? Das sind grundlegende Fragen unseres Alltags, die in diesem Buch zum Prinzip einer kulturwissenschaftlichen Methodeder Signifikanten-Interaktionsanalyse – erhoben werden.

Die Analyseobjekte der Signifikanten-Interaktionsanalyse (SIA) werden als Formationen verstanden, die aus materiellen, perzeptiven, emotionalen, sprachlichen Signifikanten bestehen. Signifikanten verweisen aufeinander und bedingen sich relational, so dass für sich stehende, eigentlich bedeutungslose Signifikanten in ihrem relationalen Verbund Aussagekraft entfalten. Jede Aussage beruht auf einer Interaktion mehrerer Signifikanten. Jeder Signifikant wird als potentieller Aktant verstanden. Mit der SIA lassen sichdie Interaktionen zwischen Signifikanten auf formalisierte Aussagen reduzieren. Dies geschieht mittels dreier Interaktionsmodi – Belassen, Anpassen oder Beseitigen –, die aus dem Umgang mit Gewordenem abgeleitet werden. Die formalisierten Aussagen können Werthaltung, Wertschöpfung, Wertvernichtung, Identität, Integrität, Einzigartigkeit und Differenz von Signifikanten erfassen.

 

Zur Kurzbeschreibung der SIA 

Zur Ankündigung auf der Seite des Passagen Verlags, Wien 

Architektur in den Alpen, 3. April 2017, Kloster Ettal

Stefan Lindl: Königsschlösser, Hütten, Spiegelglas. Die Konstitution der Alpen durch Architektur.

„Es wäre äußerst einleuchtend zu sagen, der Alpenraum definiere Architektur als alpenländisch, aber wesentlich valider und evidenter ist es zu postulieren, die Architektur konstituiere das Alpenländische der Alpen.“

Eine alpenländische Architekturgeschichte über zwei Jahrhunderte zwischen Tradition, Historisierung, Bruch und Verschwinden aus kulturhistorischer Perspektive.

3. 4. 2017, um 12.15 Uhr, Kloster Ettal

Anmeldung bis zum 27. März 2017:

kolloquium-ettal@hdbg.bayern.de

Weitere Informationen 

Foto: Stefan Lindl, März 2016, Schloss Tirol, Dorf Tirol bei Meran.

Kloster Ettal: „Der Alpenraum: Natur – Kultur – Konflikt (Tagung)“

Aktualisiert: Das Programm zum Alpenkolloquium

Stefan Lindl

Kloster Ettal: Montag, 3.4.2017, Chinesensaal, 9.00 bis ca. 17.45 Uhr

Mit Marita Krauss, Lothar Schilling, Jon Mathieu, Felix Guffler, Michael Wedekind, Stefan Lindl, Christian Malzer, Nadja Hendriks, Friederike Kaiser, Robert Groß.

Kolloquiumsflyer

Eine Veranstaltung der Universität Augsburg, Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte / Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit in Zusammenarbeit mit dem Haus der Bayerischen Geschichte. Kloster Ettal, Landkreis Garmisch-Partenkirchen

Partner: Bayerische Staatsforsten, Bayerische Forstverwaltung.

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Vortrag von Stefan Lindl über:

Königsschlösser, Hütten, Spiegelglas. Die Konstitution der Alpen durch Architektur.

Architektur konstituiert seinen Kontext, sie schreibt ihrer Umgebung zu, was Erbauende in ihr sehen oder in ihr sehen wollen, wie sie die Umwelt verstehen oder verstanden wissen wollen. Welche Zuschreibung mit welcher Architektur und mit welchem Architekturtypus getroffen wird, ist das Thema dieses Vortrags: Versteckt oder tarnt sich die Architektur konstituiert sie die Umgebung als Natur. Präsentiert sich die Architektur dominant, so wird sie verstärkt durch eine Antiklimax der…

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Unveröffentlicht 2: „Obermenzing“ Boubas Umu, Claas Triebel, Marian Kalus


Obermenzing ist ein bemerkenswerter, vor 250 Jahren hätte man gesagt, ein merkwürdiger Teil Münchens. Selten zerrissen, vielfältig, homogen, flach und tief zugleich, widersprüchlich, enantiodromisch. Obermenzing ist der enantiodromischte Stadtteil Münchens. Bahnhofsniederungen, Kulturhöhepunkte, Gewerbehässlichkeiten, Verkehrschaos, Fahrradwege, Stauzonen und Spielstraßen, Ruhezonen mit Schlosspark, Nymphen und Eremiten. Nicht zuletzt wird Obermenzing von einem Fluss  durchlaufen, der so berühmt ist wie das Oktoberfest, Kreide, Trias, Jura und Archaikum: die Würm.

Ebenso klingt „Obermenzing“, ein Stück privater Musikgeschichte, das während der Haidhausensession im August 2002 von Andreas Kaps (b), Peter T. Lenhart (dr), Claas Triebel (kaoss, pulse), Marian Kalus (echo), Stefan Lindl (as) eingespielt wurde.

Unveröffentlicht: „Haidhausen“ Boubas Umu und Claas Triebel, Marian Kalus

 

Im August 2002 nahmen Andreas Kaps (b) , Peter T. Lenhart (dr), Stefan Lindl (sax etc.) und Claas Triebel (koass pad, Waldorf pulse)  sowie Marian Kalus (decks) in einer verregneten Sommernacht 17 Stücke in einem Haidhausener Studio in München auf. Die improvisierten Musikstücke liefen unter dem Programm „Stadtviertel“. Das serielle Stück umu Nr. 10 „Haidhausen“ blieb ebenso unveröffentlicht wie die anderen auch.


sub-bavaria über Boubas Umu


McLuhan über Nachrichten und Gedächtnisverlust

„Der innere Trip ersetzt den äußeren Trip. Die rechte Hemisphäre ist ein innerer Trip, eine Phantasiewelt. Heute ist das, was wir Nachrichten nennen, Phantasie. Genauso wie sie mit Lichtgeschwindigkeit entstehen, verschwinden sie auch wieder. Eine weitere Eigenschaft der Lichtgeschwindigkeit ist der Gedächtnisverlust. Die Konzentrationsdauer wird geringer und das Gedächtnis schwächer. Für die Bildungseinrichtungen ist das ein großes Problem. Man hat mit Studierenden zu tun, die sich nicht mehr lange Konzentrieren und sich kaum noch an etwas erinnern können.“

Wäre das, was Sie 1978 feststellten, ein Problem der Kontinuität, das immer weiter in den Abgrund führt, Herr McLuhan, so wäre heute 2017 Unterricht gar nicht mehr möglich. – Aber der Gedächtnisverlust klingt bei Betrachtung aller Phänomene unseres Weltgeschehens als durchaus nachvollziehbar. Wir sind der Lichtgeschwindigkeit der Nachrichten ausgesetzt, deren Mündlichkeit eine Schriftlichkeit der social media geworden ist, und leiden unter einer gewaltigen Amnesie. Ich denke, und ich meine das nicht ironisch schmunzelnd, es ist Zeit, dass die Geschichtswissenschaft wieder eine Leitwissenschaft wird, weil sie sich im Erinnern übt.


Marshall McLuhan. Das Medium ist die Botschaft, Dresden 2001, S. 29.

Kloster Ettal: „Der Alpenraum: Natur – Kultur – Konflikt (Tagung)“

Kloster Ettal: Montag, 3.4.2017, Chinesensaal, 9.00 bis ca. 17.45 Uhr

Mit Marita Krauss, Lothar Schilling, Jon Mathieu, Felix Guffler, Michael Wedekind, Stefan Lindl, Christian Malzer, Nadja Hendriks, Friederike Kaiser, Robert Groß.

Kolloquiumsflyer

Eine Veranstaltung der Universität Augsburg, Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte / Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit in Zusammenarbeit mit dem Haus der Bayerischen Geschichte. Kloster Ettal, Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

Partner: Bayerische Staatsforsten, Bayerische Forstverwaltung.

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Vortrag von Stefan Lindl über:

Königsschlösser, Hütten, Spiegelglas. Die Konstitution der Alpen durch Architektur.

 

„Es wäre einfach zu sagen, die Alpen definierten Architektur als alpenländisch, doch es ist viel einleuchtender zu postulieren, die Architektur definiere das Alpenländische der Alpen.“

Architektur konstituiert seinen Kontext, sie schreibt ihrer Umgebung zu, was Erbauende in ihr sehen oder in ihr sehen wollen, wie sie die Umwelt verstehen oder verstanden wissen wollen. Welche Zuschreibung mit welcher Architektur und mit welchem Architekturtypus getroffen wird, ist das Thema dieses Vortrags: Versteckt oder tarnt sich die Architektur? Konstituiert sie die Umgebung als Natur, als ein Ursprüngliches? Spielt die Architektur mit der Authentizität alpenländischen Bauens oder setzt sie auf den Bruch mit den Traditionen? Welche Aussage findet sich in dieser Weise architektonischen Gestaltens? Präsentiert sich die Architektur dominant, so wird sie verstärkt durch eine Antiklimax der Natur- und Kultur-Aspekte. Eine Typologie der Alpen-Architekturen, die Funktion historischer Authentizität  und ihr Spiel im ding-diskursiven Bereich sowie ihre Wechselwirkungen auf die Materialitäten werden in diesem dekonstruierenden Vortrag beleuchtet.

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Abb. Cantina Tramin, Südtirol, Architekt: Werner Tscholl, 2010. Foto: Stefan Lindl, März 2016.

Kolloquiumsflyer

Über das Sein, oder: Wer war ich?

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Blick vom Merkur Richtung Alsace, Dezember 2016.

Stefan Lindl, am 14. Juni 2011, nachmittags*

„Wer bin ich?“, diese Frage mir im Hier und Jetzt zu stellen, bringt mich an die Grenzen meines Verstands. Das ist nicht nur einfach daher gesagt. Es ist wahr! Wie präzisierte ich, wer ich bin? Ich könnte mich funktional erklären: Ich bin ein Mann, ich arbeite als Geisteswissenschaftler und Hochschullehrer, ich bin katholisch, ich bin Bayer, ich spreche hochdeutsch, ich bin gerne in Städten (in meinem Fall Augsburg, München, Wien und Paris). Das bin ich, das ist meine Gegenwart, die aus der Vergangenheit kommt, die mir die gefräßige Zukunft schwerlich rauben wird. Aber diese Antworten betreffen meine persona, sie sind meine Maske, die aus den Papierschnipseln simpler, austauschbarer Äußerlichkeiten und einem Löffel Kleister gestaltet ist. Es gibt wahrscheinlich beträchtlich viele Menschen, die ähnliches von sich behaupten können, die eine fast identische Maske tragen wie ich. „Wer bin ich?“ ist die Frage, der ich nur persönlich auf den Leim gehe.

Keine Antwort gibt es dagegen darauf, wer ich nun bin. „Wer sind Sie?“, fragen Sie mich? – Ich weiß es nicht! – Wer ich bin, kann ich schon gar nicht anderen, geschweige mir verraten. Ich weiß nicht, wer ich bin. Ich werde es nie wissen! Um trotzdem einen sinnlosen Versuch zu wagen, an das Geheimnis heranzukommen, wer ich bin, müsste ich das Hinkebein des Verstands loswerden, es einfach amputieren. Aber wie amputiert man etwas, das nicht wirklich materiell existiert, sondern ein Denk-Vorgang ist? Mein Hinkebein des Verstands ermöglicht mir immer nur Wissen aus der Zukunft des Jetzt über das Jetzt. Das heißt, ich weiß nur zukünftig etwas. Ich kann nur zurückblicken, um das Hier und Jetzt zu verstehen, das ich erlebe und in dem ich lebe. Das bedeutet nichts anderes, als: Ich kann nur wissen, was ich erlebte, wie ich lebte und das lediglich als Interpretation. Es gibt keine Gleichzeitigkeit des Seins und des Verstehens dieses Seins. Das Sein kommt immer vor dem Denken, vor dem Texten, vor dem Zurückblicken. Wer ich bin, muss erst gewesen sein, damit ich definieren kann, wer ich bin. Wer ich aber bin, bedeutet somit nicht mehr, wer ich im Hier und Jetzt bin, sondern: Wer ich war.

Fortan kann ich nur noch fragen: „Wer war ich?“ Wenn es aber keine Einheit von Sein und Verstehen des Seins gibt, dann sind die Fragen „Wer sind Sie?“, „Wer bin ich?“, „Wer bist Du?“ tragische Fragen. Sie fragen verstandesmäßig nach dem Sein im Hier und Jetzt, aber sie bekommen keine Antworten aus dem Hier und Jetzt. Das ist wahrlich – tragisch.

Deswegen fragen Sie mich nicht, wer ich bin. Fragen Sie mich doch einfach „Wer waren Sie?“ und ich kann Ihnen eine lange, ausführliche, detail- und nuancenreiche Geschichte erzählen…

Nach dieser – meiner – Erzählung generieren Sie eine Vorstellung davon, wer ich bin. In Ihrem Denken bekomme ich einen Platz in Ihrem Hier und Jetzt, das sich aus Ihren Erinnerungen reproduzieren, re-präsent machen lässt, sobald Sie an mich denken. Wer ich bin, wird dann immer wieder Gegenwart in Ihnen. Aber dieses Abbild in Ihrem Geist mit all seiner Gegenwärtigkeit ist meine Vergangenheit. Fragen Sie mich, wer ich war! Die Antwort ist mein Sein in Erinnerung. Getrost können Sie jedoch auf die Frage „Wer ist Stefan Lindl?“ antworten, was Sie über mich wissen. Ihr Bericht ließe sich mit den Worten schließen: Das ist Stefan Lindl. – Für Sie bin ich das, doch für mich war ich’s gewesen.


*Als mir Louis Lau 2011 die Frage gestellt hatte „Wer bist Du?“, floss dieser Text auf die Festplatte und geriet in Vergessenheit. Am 5. Februar 2017 entdeckte ich ihn durch Zufall wieder.

Die digitaldemokratische Applikationsgesellschaft

Exposé:

Digitaldemokratisch?!
Der Weg in die Applikationsgesellschaft

Stefan Lindl

Wir leben in einem Zeitalter der Aporie tradierter Machtstrukturen. Die digitale Revolution erschuf die Dispositive für eine bislang ungekannte Machterosion eines 200 Jahre alten Wegs von den konstitutionellen Monarchien über die Diktaturen in die Demokratie. Gegenwärtig erstarken Individuen durch die Möglichkeiten der Applikationen, ohne Ausbildung, ohne Kompetenzen und ohne staatlich überwachte Qualifikationen Öffentlichkeit zu erlangen. Neben den Applikationen, die alles ermöglichen, bieten Social Media bislang ungekannte Diffusionsmöglichkeiten, die nicht institutionell gefiltert werden. Hierarchien verflachen und die Qualifikationsgesellschaften werden transformiert in Applikationsgesellschaften, weil jeder alles kann, wenn er nur die richtige Software aus dem Netz lädt. Dadurch werden alte Ordnungen nicht allein auf den Kopf gestellt, sondern zerrüttet.

Ein erstaunlicher Effekt dieser nicht auf Institutionen und Qualifikationen beruhenden Diffusions- und Publikationsmöglichkeiten ist der Verlust staatlicher Wissenshoheit. Die aristotelische Unterscheidung von Wissen und Meinen lässt nicht mehr treffen. Episteme-Wissen und Doxa-Meinen sind ästhetisch nicht zu unterscheiden: Schriftlichkeit, Publikation, Diffusion spielen dabei die entscheidende Rolle. Wenn der Staat seine Hoheit über das Wissen nicht mehr behaupten kann, verliert er an Autorität und an Macht.

Diese Auswirkungen der digitalen Erosion des Werts staatlicher Qualifikationsabsicherung gehen einher mit Vertrauensverlust gegenüber den Eliten. Stimmen in den Social Media mutieren zu Individual-Egomanpolitikern, die nach direkter-digitaler Demokratie rufen. Es vollzieht sich ohne Zweifel die Geburt einer Digitaldemokratie. In welche Richtung sie sich entwickelt, obliegt uns als Aufgabe der nahen Zukunft. Darüber hinaus ist eines klar: Die Komplexität der Welt bleibt, selbst im scheinbar Einfältigen, Einheitlichen, Egomantischen, Abgeschlossenen und in allen paradiesischen Exklusionshoffnungen.

Diskursive Konstitution gesellschaftlicher Naturverhältnisse – Workshop

Ankündigung zu einem interdisziplinären Workshop an der Universität Augsburg am 12.-13. Mai 2017, Prof. Dr. Reiner Keller, Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Augsburg

„Die diskursive Konstitution gesellschaftlicher Naturverhältnisse. Interdisziplinäre Perspektiven sprachwissenschaftlich-kritischer, geistes- und sozialwissenschaftlicher Umwelt- und Risikodiskursforschung; Universität Augsburg, 12.-13. Mai 2017.

Stefan Lindl referiert über:
Dekonstruktion der Gegenwart. Geschichtlichkeit und Materialität der Diskurse in den Historischen Wissenschaften