Architekturen des Authentischen

Architekturen des Authentischen
Kategorien historischer Authentizität und eine Revision des Historismus

Reihe: Passagen Architektur
Verlag: Passagen Verlag, Wien
Erscheinungstermin: Mai 2018

Das Original dominiert die Vorstellung von historischer Authentizität. Allerdings ist materielle Originalität nur eine Möglichkeit, Objekten „Echtheit“ zuzuschreiben. Authentizität materieller Objekte wird ebenso durch Ideen, Ästhetik und Narrationen konstituiert.

Die Frage nach historischer Authentizität von Architekturen und anderen materiellen Objekten entspricht der Frage nach ihrem historischen Wert. Authentizität und Wert verhalten sich redundant: Historischer Wert eines Objekts entsteht nur, wenn ihm Authentizität zugeschrieben wird. Jedoch lässt sich Authentizität nur über den historischen Wert ermitteln. Für diese Analyse werden vier Authentisierungskonzepte und eine Methode zur Bestimmung des historischen Werts vorgestellt (SIA – Signifikanten-Interaktionsanalyse) und an Fallbeispielen historistischer Bauwerke des 19. Jahrhunderts angewendet. Der lange Zeit verpönte architektonische Historismus wird dadurch neu bewertet.

Das Buch richtet sich gleichermaßen an Geschichtswissenschaft, Architektur, Museumswissenschaft und Denkmalpflege. Das System der vier Authentisierungskonzepte lässt sich auf alle materiellen Objekte anwenden. Von der Architektur bis zum Artefakt im Museum.


Beitragsfoto: Bad Kissingen, Wandelhalle von Friedrich von Gärtner

Ilona Herreiner in der Galerie Süßkind

Ilona Herreiner „Quasiwelten“

Ausstellung vom 16. November 2017 bis zum 27. Januar 2018 in der Galerie Süßkind

 

Ein Kunstwerk unserer Tage ist ein Dreh- und Angelpunkt. Es verbindet Künstlerin und Betrachtende und manchmal ist es nicht einmal abgeschlossen, sondern folgt seiner organischen Logik, agiert mit seiner Umwelt, reagiert auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Es spielt mit der Tradition und es überlässt den Betrachtenden die Sinngebung, bezieht sie mit ein, sie sind Teil der Kunst in ihrem steten sich wandelnden Prozess des Deutens und Bedeutens. Kunst geht über seine Materialität hinaus: hinein in die Gesellschaft, weil sie als Zeichen oder viele Zeichen fungiert. Was früher eine Skulptur war, ist heute eine Sozioskulptur, die ohne ihre Rezipienten überhaupt nicht mehr denkbar wäre.

Für Ilona Herreiner ist Kunst wie Literatur. Wäre sie Schriftstellerin geworden, hätte sie Romane geschrieben. Sie überlässt die Romane ihren Betrachterinnen und Betrachtern und gestaltet ihre Kunstwerke ikonographisch überaus aufwendig, indem sie klassische Darstellung hybridisiert. Ein Minotauros – das Mischwesen – wird durch eine auf seinem Rücken liegende Frau zum Zeus, der Europa entführt. Ein Pudel betrachtet die beiden und ist selbst nur Oberfläche, in der sich Mephisto versteckt.

Das ist nicht eines Hundes Gestalt!
Welch ein Gespenst bracht ich ins Haus!
Schon sieht er wie ein Nilpferd aus.

Es sprudelt, es pudelt vor Zeichen in dem Werk von Ilona Herreiner. Ihre Holzskulpturen entfesseln Diskurse der Mythen, der individuellen Erinnerungen, der Märchen, an den gesamten Ozean des Erzählens schließt sie an, ein Feuerwerk der Narrationen können die Betrachtenden in ihrem eigenen Erleben der Kunstwerke Herreiners erleben.  Und so wendig, so vielfältig die Erzählungen sind, die Betrachter aus sich hervorrufen, so unabgeschlossen sind die Kunstwerke aus Pappelholz: Das organische Material verändert sich in den Jahreszeiten, reagiert auf seine jeweilige Umwelt. Herreiner spielt mit Rissen und Spalten, die sich öffnen und auch wieder schließen. Hybrid und Metamorphose, Aufstand der Zeichen und das heitere Spiel der Erzählungen und des Hinzuerzählens machen aus Ilona Herreiners Ausstellung ein Ereignis, das durch seine Performativität besticht.

Vernissage: 16. November 2018, 19.30 Uhr.

Galerie Süßkind, Dominikanergasse 9, Augsburg

 


Das Beitragsbild ist eine Teilreproduktion der Einladungskarte zur Vernissage.

Historischer Wert und historische Authentizität

Vorankündigung:

Historischer Wert und historische Authentizität. Zur Klassifizierung materieller Objekte

Demnächst erscheint ein Pre-print zur Klassifikation von historischem Wert und historischer Authentizität materieller Objekte. Dort werden zwei methodische Instrumente vorgestellt, die es ermöglichen, über den Umgang mit dem Gewordenen (Historischen) den Wert historischer Objekte zu ermitteln. Die SIA – Signifikanten-Interaktionsanalyse spielt für die Wertermittlung die entscheidende Rolle. Im Anschluss an den historischen Wert, wird es möglich, mit einem weiteren Instrument die jeweiligen Authentizitätszuschreibungen zu taxieren, mit denen der historischer Wert überhaupt erst erzeugt wird. Es wird also gefragt, mit welchem Konzept des Authentisierens historischer Wert an einem Historischen, sei es Materie, Ästhetik oder Text, erzeugt wird. Der Umgang mit dem Gewordenen ermittelt, wie eine Gestaltung (beispielsweise eine sprachliche Interpretation) mit dem Gewordenen, also mit gegenwärtigen Artefakten aus der Vergangenheit umgeht, wie sie mit der Gestaltung interagieren.

Wie wird mit Historischem umgegangen, also beispielsweise mit historischer Materie?
Wie wird Historisches konstruiert und historischer Wert konstituiert?
Auf diese beiden Fragen gibt diese kurze Publikation mit Hilfe zweier Werkzeuge Antworten.

 

Dieser Pre-print ergänzt die „Kategorien historischer Authentizität in Architektur und Denkmalschutz“, die im  November 2016 erschienen sind.

Zur Kurzbeschreibung der SIA – Signifikanten-Interaktionsanalyse

Aus dem Text:

„Historischer Wert entsteht durch Authentizität. Authentizität ist eine Zuschreibung, eine gesellschaftliche Konstitution eines Geschichtsverhältnisses. Weil Authentizität jedoch auf einer Zuschreibung beruht, lässt sie sich an Historischem selbst, sei es Materie, Ästhetik oder Text, nicht analysieren. Allein im Diskurs über das Historische ließen sich Authentizitäts-Positionen ermitteln. Jedoch am Historischen selbst kann die Authentizität nur über den Umweg des historischen Werts, den die Authentizität konstituiert, analytisch erfasst werden. Beide, Wert und Authentizität – historischer Wert und historische Authentizität –, sind miteinander untrennbar verknüpft. Sie stehen in einem redundanten Verhältnis zueinander. Folglich muss der historische Wert bestimmt werden, um eine historische Authentizität zuschreiben zu können …“

Umgang mit dem Historischen im Werk von J. J. Herkomer – in Füssen

Morgen 14.45-15.30 Uhr in Füssen:

Stefan Lindl : Der Umgang mit dem Historischen in der Architektur Herkomers. Historischer Wert und historische Authentizität – eine Füssener Fallstudie.

Johann Jakob Herkomer – Symposium zum 300. Todestag, 27. bis 29. Oktober 2017, Großer Saal im Sparkassengebäude, Kaiser-Maximilian-Platz 3, 2. OG.

Historische Authentizität und Historischer Wert gehen Hand in Hand. Der historische Wert entsteht durch die Authentisierung und die Authentizität kann nur analysiert werden vermittels des historischen Werts. Interessant ist es, die Frage nach historischer Authentizität vor dem 19. Jahrhundert zu stellen und damit in die Frühe Neuzeit zu gehen. Ein erster Versuch ist der morgige Vortrag.

Der Umgang mit dem Gewordenen: SIA

Nach langen Jahren und mindestens zehn Vorversionen, die immer wieder komplett neu geschrieben wurden, ist aus Wien heute das Endprodukt vom Passagen Verlag bei mir angekommen: frisch verpackt und in Folie gewickelt. Diskurse machen Materie, aber die Materie in der Hand ist dann auch keineswegs schlecht!

Genau darum geht es in dem Buch, um eine eindeutige Antwort auf die Frage: Does discourse matter?  – Ja. Natürlich. Untrennbar ist er verbunden mit der Materie, die Materie verstehe ich als Positionen der Diskurse. Diskursleitend und vom Diskurs geleitet: das ewige Spiel der Signifikanten in ihren Interaktionen.

SIA - Ankunft

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Vortrag: Erinnert und vergessen. Der werte und unwerte Leopold Mozart in Schwaben

Wie sollte denn Augsburg Leopold Mozart gedenken? In jungen Jahren ließ er die Stadt hinter sich und emigrierte nach Salzburg. 18 Jahre alt war er damals im Dezember 1737. Augsburg blieb er familiär und geschäftlich verbunden. Sein Lebensmittelpunkt jedoch war seit 1737 das Fürsterzbistum Salzburg. Parallelen zu Bertold Brecht scheinen sich hier aufzudrängen. Brecht verließ mit 19 Jahren Augsburg.  Ebenso wie Mozart ging es auch ihm um ein Studium. Von Brechts Augsburger Zeit gibt es viele Überbleibsel: Artikel, Gedichte, Erzählungen, Erinnerungen, Orte, an denen er verkehrte, Häuser, in denen er mit seinen Eltern gewohnt hatte, auch das Grabmal der Eltern auf dem Protestantischen Friedhof. Von Leopold Mozart gibt es – nicht gerade nichts, aber doch auch nicht besonders viel in Augsburg und Umgebung. Es gibt Orte, die mit dem Namen Mozart verbunden sind, wenig Originales, es gibt Häuser, wie das des Orgel- und Klavierbauers Johann Andreas Stein am Ulrichsplatz in Augsburg, es gibt das Haus des Johann Jakob Lotter, den protestantischen Verleger Leopold Mozarts. Es gibt auch das sogenannte Mozarthaus, das ein Raub der Bombennächte geworden war und nun restauriert die Mozartgedenkstätte in Augsburg beherbergt. Es gibt die Sammlung Max Zenger, deren Sammlungsfokus auf der Mozartzeit liegt, deren Sammelstücke aber keine Zuordnung zu Leopold Mozart zulassen.

Gegenwärtige Ausstellungskonzepte und Ausstellungen setzen wieder auf das Original, auf das auratische und authentische Ausstellungsstück. Was ist das überhaupt das Authentische? Und ist es hier bei Leopold Mozart überhaupt greifbar? Welche Formen des Authentischen ließen sich in den Spuren der Mozarts in Schwaben entdecken?

Letztlich stellt der Vortrag folgende Fragen: Was gedenken? Wem gedenken? Wie gedenken? – Prof. Dr. Johannes Hoyer und PD Dr. Stefan Lindl versuchen darauf Antworten zu finden.

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 18.15 Uhr im Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg, Maximilianstraße 59.


Beitragsfoto: public domain Materialscientist, wikimedia

300 Jahre Leopold Mozart: Ringvorlesung „Museumsreif?“

Der Theorie und Praxis des Ausstellens widmet sich die im Wintersemester stattfindende Ringvorlesung „Museumsreif?“ an der Universität Augsburg. In diesem Wintersemester dreht sich alles um ein bevorstehendes Jubiläum eines Prominenten Augsburgers: 300 Jahre Leopold Mozart. Geboren in Augsburg und noch in jugendlichem Alter ausgewandert nach Salzburg ist er wohl der prominenteste Augsburger, der nicht als Augsburger wahrgenommen wird. Die Klischees über ihn sind mannigfaltig und seine Leistungen als Komponist vergessen und erdrückt von dem genialen Spätwerk seines Sohns. Pädagoge, Wunderkinderschaffer, Musikmanager, Geschäftsmann und strenger Vater, unzulänglicher Komponist – das alles soll Leopold Mozart gewesen sein. Doch was bleibt von ihm in Augsburg und dem heutigen Bayerisch-Schwaben, der Heimat seiner Familie? Welche Spuren gibt es? Was lässt sich aus und mit ihnen machen? Wie lässt sich Leopold Mozart und sein reiches Leben darstellen?

Das sind die Fragen, die in der Ringvorlesung im Vergleich zu den anderen Mozarthäusern in Salzburg, Wien und St. Gilgen gestellt werden. Die Ringvorlesung zielt auf das Jubiläum 2019. Salzburg ehrt in einer ganzjährigen Ausstellung den berühmten Vater des noch berühmteren Sohnes. In der Veranstaltung wird zusammengetragen, wie Gedenken und Erinnern an Leopold Mozart in Bayerisch-Schwaben möglich wäre. Fragen nach der Authentizität der Ausstellungsgegenstände und deren Wertigkeit und nach neuen Ausstellungskonzepten werden präsentiert und diskutiert.

Am Mittwoch, 25. Oktober 2017, beginnen Prof. Dr. Johannes Hoyer und PD Dr. Stefan Lindl mit dem Vortrag:

„Erinnert und vergessen. Der werte und unwerte Leopold Mozart in Schwaben“. 18.15 Uhr im Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg, Maximilianstraße 59, Augsburg.

300 Jahre Leopold Mozart: Forum Musealisierung Flyer


Das Beitragsfoto beruht auf einer Reproduktion des Titelblattes der ersten Auflage der  Violinschule von 1756.

Johann Jakob Herkomer. Tagung zum 300. Todestag 28.-29.10. in Füssen

Der Biograph Johann Jakob Herkomers, Dr. phil. Ingo Seufert, organisiert eine äusserst verdienstvolle Tagung in Füssen zum 300. Todestag von Johann Jakob Herkomer. Der Barockbaumeister ist eine der interessantesten, weil eigenständigsten Baumeister in Süddeutschland. Er stemmte sich gegen das süddeutsche Einerlei der Vorarlberger um 1700 und entwickelte einen unverkennbaren authentischen Stil, der in seinen heute noch bestehenden sakralen Bauwerken in Sameister, Füssen und Innsbruck unschwer zu erkennen ist.

Eine empfehlenswerte Tagung.

Flyer J. J. Herkomer in Füssen 28.-29. Oktober 2017


Beitragsfoto: Dr. phil. Ingo Seufert, Flyer zur Tagung.

Gerade erschienen: Der Umgang mit Gewordenem – SIA

 

Stefan Lindl

Der Umgang mit Gewordenem
Signifikanten-Interaktionsanalyse

Reihe Passagen Philosophie

Oktober 2017

sIACover2017

Wie gehen wir mit Gewordenem um, wie bedingt das Gewordene unser Handeln? Wie interagieren das Gewordene und wir? Das sind grundlegende Fragen unseres Alltags, die in diesem Buch zum Prinzip einer kulturwissenschaftlichen Methode – der Signifikanten-Interaktionsanalyse – erhoben werden.

Die Analyseobjekte der Signifikanten-Interaktionsanalyse (SIA) werden als Formation verstanden, die aus materiellen, perzeptiven, emotionalen, sprachlichen Signifikanten bestehen. Signifikanten verweisen aufeinander und bedingen sich relational, so dass für sich stehende, eigentlich bedeutungslose Signifikanten in ihrem relationalen Verbund Aussagekraft entfalten. Jede Aussage beruht auf einer Interaktion mehreren Signifikanten. Jeder Signifikant wird als potentieller Aktant verstanden. Mit der SIA lassen sich die Interaktionen zwischen Signifikanten auf formalisierte Aussagen reduzieren. Dies geschiet mittels dreier Interaktionsmodi – Belassen, Anpassen oder Beseitigen –, die aus dem Umgang mit Gewordenem abgeleitet werden. Die formalisierten Aussagen können Werthaltung, Wertschöpfung, Wertvernichtung, identität, Integrität, Einzigartigkeit und Differenz von Signifikanten erfassen.

Neuerscheinung zur Frankfurter Buchmesse: SIA

Neuerscheinung zur Frankfurter Buchmesse 

sIACover2017

Der Umgang mit Gewordenem. Signifikanten-Interaktionsanalyse – SIA, (Passagen Philosophie), Wien 2017.

Wie gehen wir mit Gewordenem um, wie bedingt das Gewordene unser Handeln? Wie interagieren das Gewordene und wir? Das sind grundlegende Fragen unseres Alltags, die in diesem Buch zum Prinzip einer kulturwissenschaftlichen Methode – der Signifikanten-Interaktionsanalyse – erhoben werden.

Die Analyseobjekte der Signifikanten-Interaktionsanalyse (SIA) werden als Formation verstanden, die aus materiellen, perzeptiven, emotionalen, sprachlichen Signifikanten bestehen. Signifikanten verweisen aufeinander und bedingen sich relational, so dass für sich stehende, eigentlich bedeutungslose Signifikanten in ihrem relationalen Verbund Aussagekraft entfalten. Jede Aussage beruht auf einer Interaktion mehreren Signifikanten. Jeder Signifikant wird als potentieller Aktant verstanden. Mit der SIA lassen sich die Interaktionen zwischen Signifikanten auf formalisierte Aussagen reduzieren. Dies geschiet mittels dreier Interaktionsmodi – Belassen, Anpassen oder Beseitigen –, die aus dem Umgang mit Gewordenem abgeleitet werden. Die formalisierten Aussagen können Werthaltung, Wertschöpfung, Wertvernichtung, identität, Integrität, Einzigartigkeit und Differenz von Signifikanten erfassen.

Zum Wiener Passagen Verlag auf der Buchmesse