NaturStadt Gernsbach

Sonnenuhren und Artenvielfalt – Eine andere Stadtführung am 21. Mai 2024 mit Gerhard Schäuble, Stefan Eisenbarth und Stefan Lindl. – Eine Veranstaltung der CDU Gernsbach.

Stadt der Nachhaltigkeit

Der Begriff „Anthropozän“, das Erdzeitalter, das maßgeblich durch die Kultur der Menschen geprägt ist, beschreibt und warnt vor der Dominanz der Menschen, von deren Verdrängungsmechanismen wohl alle Lebensformen zumindest erfasst, beeinträchtigt oder viele sogar zerstört werden. Die Natur des Menschen wird von der Natur des Menschen bedingt und bedroht. Es ist eine Selbstgefährdung, in die wir uns zumindest vor zwei Jahrhunderten längst begeben haben. Um so wichtiger ist die Einsicht, einen besonnenen Umgang mit dem, was wir haben, anzustreben. 

Gernsbach verfügt über viele Ressourcen. Vor allem war die Stadt eine nachhaltige Stadt, weil sie haushalten musste mit jener Ressource, die ihre historische Grundlage ihrer Wirtschaft war: das Holz. Die Stadt war in hohem Maße abhängig von der Geschwindigkeit der Natur, von Wetter und Klima, vom Wachsen und Vergehen. Wirtschaftliche Prosperität und Wachstum hing direkt von der Verfügbarkeit der Ressource Holz ab, die im Bereich seiner Reproduktion nur sehr bedingt kontrollierbar war. Die Kontrolle musste also durch ein Ressourcenmanagement ausgeübt werden, das von der Murgschifferschaft gewährleistet wurde. Genau dies meinte Hans Carl von Carlowitz als er 1713 den Begriff ‚Nachhaltigkeit‘ erstmals erwähnte: Holz darf nur in dem Maße geschlagen werden, wie es nachwächst.

Gernsbach wäre nicht die Perle des Murgtals geworden, hätte es dieses Prinzip der Nachhaltigkeit nicht befolgt. Es beschreibt ein Ineinander und Miteinander von menschlicher Zivilisation und Natur. 

Um dieses Ineinander und Miteinander ging es auch in der Veranstaltung der CDU Gernsbach „Sonnenuhren und Artenvielfalt – Eine andere Stadtführung“ am 21. Mai 2024 mit Gerhard Schäuble, Stefan Eisenbarth und Stefan Lindl. 

Miteinander von Kultivierung und Natur führte in Gernsbach zu einer charakteristischen Landschaft.

Stadt der Sonnenuhren

Gerhard Schäuble und Stefan Eisenbarth stellen in ihrem Tun genau diese Verbindung dar. Schäuble mit seiner „Stadt der Sonnenuhren“, Eisenbarth, indem er die Artenvielfalt der Stadt Gernsbach bewahrt und fördert. Die Sonnenuhren sind Zeichen für die Planetenmechanik, die maßgeblich unseren Begriff der Zeit bestimmt. Sonnenuhren sind die Schnittstelle von der großen Natur zur Zivilisation. Schäubles siebenundzwanzig Sonnenuhren in Gernsbach bezeugen die Kultivierung und Domestizierung der Zeit auf verschiedenste Arten und das Bemühen der Menschen um genaueste Anpassung an die Natur. So bilden viele Uhren Schäubles die ellipsoide Umlaufbahn der Erde um die Sonne ab. Kalendarische Daten ermöglichen das Ablesen der genauen Tageszeit. Ganz ohne Digitalität. Bei Nacht und unter Woken verschwindet diese Zeit im Einklang mit der Planetenmechanik. 

Stadt der Artenvielfalt

Im Einklang mit der Sonne stehen auch die Tiere der Altstadt, die Stefan Eisenbarth benennt: die Fledermausarten Gernsbachs, deren Aktivität das „Verstummen“ der Sonnenuhren bedingt. Sie fliegen in der Zeitlosigkeit Schäubles und benötigen geradezu die Dunkelheit. Lichtemissionen schaden ihnen. Erleuchtete urbane Räume sind zu vermeiden, angestrahlte Fassaden jeglicher Gebäude sind durch das Baden-Württembergische Naturschutzgesetz vom 23. Juni 2015 § 21 (2) in der Fassung vom 7. Februar 2023 verboten. Stadtentwicklungsvorschläge, die mit Beleuchtung von Fassaden liebäugeln, wie in Gernsbach im Oktober 2023 von der Stadtverwaltung sowie dem beauftragten Büro vorgestellt, sind mit dieser Gesetzeslage nur in den Wintermonaten von 6.00 Uhr bis 22.00 Uhr durchzusetzen. Artenvielfalt benötigt Biotopvielfalt, beide sind in dem Begriff der Biodiversität enthalten. Unsere Zivilisation dominiert all diese spezifischen Biotope hochspezialisierter Arten. Es liegt in unserer Verantwortung, die spezifischen Lebensräume der Tiere zu berücksichtigen und nicht nur den eigenen nach unseren Wünschen zu gestalten. 

Artenvielfalt zeichnet Regionen aus, sind ein Marker für hohe Klimaresilienz einer Region. Gernsbach verfügt über eine beachtenswerte Biodiversität. Es gilt diese hohe Lebensqualität für Menschen und Tiere im Klimawandel bestmöglich zu bewahren. Das geht aber nur mit Diversität. 

Das vielfach intakte Miteinander und Ineinandergreifen von Zivilisation und Naturprinzipien ist ein Schatz der Stadt Gernsbach, der beachtet werden sollte, um ihn tatkräftig zu fördern. Schäubles Sonnenuhren und Eisenbarths Artenvielfalt stehen für diese erstaunliche Einheit: Gernsbach, die Stadt urbaner Natur, die Stadt natürlicher Urbanität. 

Die Stadt Gernsbach kann eine nachhaltige Stadt werden, wenn sie sich der Schätze bewusst wird, über die sie verfügt, wenn sie sich dessen bewusst wird, was sie immer war: 

NaturStadt Gernsbach

Was lässt sich also als ein besonders Merkmal der Stadt Gernsbach hervorarbeiten? Es ist dieses Miteinander von Zivilisation und Natur. Diese Einheit von Naturprinzipien und menschlichem Handeln scheint die Essenz, die Gernsbach ganz und gar besonders macht. Hierin liegt ein Leitprinzip für zukünftige Stadtentwicklungen, die sich in den beiden symbolhaften Gegenständen dieser Veranstaltung mit Schäuble, Eisenbarth und Lindl widerspiegeln: Umsichtige Berücksichtigung der Ressourcen, seien sie natürlichen oder gebauten Ursprungs, Bewahren des über Jahrhunderte gewachsenen und besonnenen Umgangs mit den Ressourcen der Stadt. 

Der kleine Staufenberg im Hintergrund, ein Sonnenschirm im Vordergrund. Der Bildaufbau symbolisiert das Miteinander und Ineinander von Zivilisation und Natur. Oder: Das was Gernsbach ausmacht – NaturStadt Gernsbach.

Stefan Lindl

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