100 Jahre Justus Dahinden – Vortrag Gaggenau

100 Jahre Justus Dahinden

Das Parkhotel Gaggenau und die Altstadt der Zukunft

von

Prof. Dr. Stefan Lindl 

Vortrag: 

Freitag, 16. Mai 2025, 19:00 Uhr

im Bürgersaal, 1. OG., des Rathauses Gaggenau.

„Justus Dahinden ist einer der Architekten der zukünftigen Altstadt Gaggenaus.“

Der Schweizer Architekt Justus Dahinden hat seine Spuren in Gaggenau nun auch nachhaltig hinterlassen. Parkhotel und Kettenhäuser ‚In der Gass‘ wurden im Herbst 2024 unter Denkmalschutz gestellt. Für eine Stadt wie Gaggenau, die mit 70 Prozent zerstörter Bausubstanz massiv unter dem Luftkrieg gelitten hat, sind die nun geschützten Dahinden-Gebäude ein kaum zu unterschätzender Gewinn. Von Seiten der Eigentümer wird hingegen das Glück des Denkmalschutzes nicht immer geteilt. Denkmalschutz schränkt ein und hindert zu tun und zu lassen, was sie wollen. Aber die helle Seite des Denkmalschutzes reflektiert das Licht des Denkmalwerts der Zukunft. Die jungen Denkmäler von heute werden in ein paar Jahrzehnten die Aura der Altstädte haben, zumal dann, wenn in ihnen überzeugende Architekturkonzepte umgesetzt wurden. 

Justus Dahinden ist einer der Architekten der zukünftigen Altstadt Gaggenaus. Genau darin liegt der Wert des Denkmalschutzes. Dieser Wert hilft Kommunen zukünftig Gewinne zu schöpfen. Gäbe es ihn nicht, ginge aus Gründen des Funktionalismus und des Pragmatismus das verloren, was zukünftig einen großen Wert haben wird. Kommunen sollten darum bemüht sein, architektonisches Kulturerbe zu schaffen. Es ist eine Post-Modo-Konstruktion, die hier Anwendung findet: Der Denkmalschutz der Bauwerke von Justus Dahinden wird ein wertschöpfender Akt gewesen sein, das steht außer Frage. Es ist nur nicht ganz einfach in der Gegenwart mit dem Futur II umzugehen. 

Der jüngste Zugang für die zukünftige Altstadt Gaggenaus heißt also Justus Dahinden, dessen Lebensdaten im Jahr 2025 gleich zwei Gedenktage vorgeben: 100. Geburtstag und 5. Todestag.

Am 18. Mai 2025 jährt sich zum hundertsten Mal der Geburtstag des international agierenden Architekten, dessen Entwürfe, selbst die verlorengegangenen, noch heute mythisch sind. 

Der Sohn eines rebellisch-eigenwilligen Skipioniers, Schriftstellers und Filmemachers, schuf eine unverwechselbare architektonisch-postomoderne Formensprache. Fasziniert war er von Pyramiden und dreieckigen Formen. Das Ferrohaus in Zürich, seit 2021 unter Denkmalschutz, ist ein pyramidales Beispiel. Ein prominentes Foto von der britischen Band Queen, aufgenommen 1974 zur Münchner Phase von Freddy Mercury, erinnert an Dahindens gewagtes „Schwabylon“, eine Art langgezogene Stufenpyramide, deren Bestand nur ein von 1973-1979 wehrte. Nicht weit davon entfernt hatte Dahinden bereits 1971 das heute noch bestehende und 2012 unter Denkmalschutz gestellte Tantris gebaut, dessen erster Küchenchef Eckart Witzigmann war, gefolgt von Heinz Winkler, Hans Haas und nun Benjamin Chmura. Sternegastronomie, Hotels, Sakralräume, Bibliotheken, Wohnhäuser, Bürohäuser, Schulhäuser – jeder Bauaufgabe von Ingelheim über Gaggenau bis Uganda stellte sich Justus Dahinden. 

Spielfreudig, gedankentief und in vielerlei Hinsicht postmodern sowie immer unvergleichlich sind seine Werke, von denen Gaggenau gleich mehrere eignet. 

Dass nun die Stadt Gaggenau das Parkhotel besitzt und ein Nutzungskonzept zusammen mit der Lebenshilfe erarbeitet, darf auch als Glücksfall bezeichnet werden. In 100 Jahren wird sich gezeigt haben, dass Justus Dahindens Parkhotel und die Kettenhäuser ‚In der Gass‘ Kernstücke der besuchenswerten Altstadt Gaggenaus sein werden. Das wird dann der Vortrag im Jahr 2125 „200 Jahre Justus Dahinden“ zeigen. 

Einstweilen ist Gaggenau nur zu wünschen, dass es seine zukünftige Altstadt pflegt und das materielle wie auch das immaterielle Kulturerbe in den Vordergrund kehrt, sei es von Friedrich Weinbrenner, von Justus Dahinden oder von Anton Rinderschwender, Michael Flürscheim, Theodor Bergmann. 

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