Kulturelle Nachhaltigkeit und das Leitbild authentische Stadt
Christian Schallers umfangreiches Werk über kulturelle Nachhaltigkeit ist meiner Reihe Urban Habitat and Humanities als Band 6 erschienen. Er hat meiner seiner Dissertation meine Thesen aus „Die authentische Stadt. Urbane Residenz und Denkmalkult, Wien 2020“ an vier Beispielen intensiv analysiert. Es ist mir ein großes Vergnügen diese Werk zu empfehlen. Wer auch immer zur Entwicklungsmöglichkeit der urbanen Bausubstanz von Konstanz, Ulm, Augsburg und Regensburg vertieft einsteigen möchte in einen weiten Diskurs, der ist hier bei Christian Schaller richtig.
Zum Download der Studie (open access):
Aus dem Vorwort:
Christian Schaller verfasste seine Dissertation innerhalb der Grenzen eines Forschungsfelds, das an der Universität Augsburg am Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte seit 2016 abgesteckt wurde. Dieses Feld beschäftigt sich mit Kulturerbe, meist baulichem Kulturerbe, in der Klimakrise. Es stellt sich der Frage, wie urbane Stadtentwicklung in der klimaresilienten und klimaschützenden Transformation ihr bauliches Kulturerbe erhalten oder klima- und denkmalschutzgerecht weiterentwickeln können. In der Tat fehlt in den aktuellen integrierten Stadtplanungskonzepten der Städte oft das Kulturerbe, das einerseits eine klimaschützende, CO2-einsparende, andererseits eine Funktion urbaner Klimaresilienz besitzt, denn Bauwerke, denen eine historische Dimension zuerzählt werden kann, sind beliebt und sorgen für Wohlbefinden und das „Gute Leben“, dem Ziel jeder Stadtplanung. Geschichte und Geschichten machen resilient!
Materielles Kulturerbe ist notwendig, um diesem Ziel näher zu kommen. Wir brauchen es, um von ihm angeregt erzählen zu können oder Erzählungen, die mit ihm zusammenhängen, zu suchen und zu finden. Diese These beruht auf einem in Augsburg entwickelten Leitbild für den Städtebau: „Die authentische Stadt“. Dieses Leitbild wurde aus geschichts- und denkmalschutztheoretischen Studien gewonnen. Christian Schaller erfasste und überprüfte das Leitbild empirisch vermittels Interviewpartnerinnen und -partnern, die professionell mit Kulturerbe umgehen und leitete daraus mit einem Methodenmix ein Instrumentarium für die praktische Anwendung in der Stadtplanung ab. Schallers Dissertationsschrift ist also ein Teil eines Gesamtkonzepts der engaged historiography, eine Geschichtswissenschaft die anwendungsbezogen geschichtswissenschaftlich argumentierend hilft, urbane Zukunftskonzepte mitzugestalten.
Es ist mir deswegen eine besondere Freude seinen herausragenden Beitrag in der Reihe „Urban Habitat and Humanities“ aufnehmen zu dürfen.
Aber das ist noch nicht alles: Mein Dank gilt Christian Schaller auch in anderer Hinsicht. Mit der Veröffentlichung seiner Masterarbeit „Augsburg und die Authentizität des städtischen Kulturerbes. Erinnerungsorte zwischen historischen und identitätspolitischen Wertigkeiten, Norderstedt 2021“ hat er die Reihe nicht nur eröffnet, sondern überhaupt erst ermöglicht.