Ankündigung: Essay über das Memminger Bahnhofsquartier

Die authentische Stadt
Stadtentwicklung und der Umgang mit dem Historischen
Reflexionen über einen Vortrag zum Memminger Bahnhofsquartier am 1. März 2018

Vor einem Jahr hielt ich einen Vortrag zum Memminger Bahnhofsquartier, zu dem mich der Historische Verein Memmingen eingeladen hatte. Bislang bin ich nicht dazugekommen, den Vortrag vollständig zu verschriftlichen und die weiteren Befunde einzuarbeiten. Mein Beitrag wird in nächster Zeit auf diesen Seiten einsehbar sein. Es wird dabei um allgemeine Möglichkeiten gehen, ökonomische und ökologische Stadtentwicklung zu betreiben, deren zentraler Wert Authentizität ist.
Der Essay umfasst das Historische sowie das zukünftige Historische und gibt eine Anregung: Ökonomisch nachhaltig und damit ökonomisch wertschöpfend sind Stadtentwicklungskonzepte nur dann, wenn sie Werte schaffen, die über die scheinbar ökonomisch günstigste Lösung hinausgehen.

1. Das Kapital: Authentizität

Das Kapital einer Stadt ist ihre Authentizität. Ihre Authentizität entspricht ihrem historischen Wert, den sie entwickelt hat und zukünftig entwickeln wird. Stadtentwicklung sollte folglich immer auf den Erhalt sowie die Neuproduktion von Authentizität und damit zukünftigen historischen Wert achten, wenn sie nachhaltig ökonomisch und stadtökologisch planen möchte. Stadtentwicklungskonzepte, die nur auf die „beste“, jedoch kurzfristigste Investorenlösung blicken, sind weder ökonomisch, noch stadtökologisch sinnvoll; sie verursachen höhere Kosten als eine höhere Investition einbringen könnte. Es lohnt sich für Authentizität, für Einmaligkeit, für Originalität für historischen Wert, gegenwärtigen und zukünftigen, Geld auszugeben und unbequeme oder unbequemere Wege zu beschreiten. Authentizität ist die richtige Position der Stadtentwicklung, um zu investieren. Gute Architektur, damit verbunden gute Architekten, kostenaufwändigere Bauprojekte und gleichfalls mutigere Investoren, die langfristig eine höhere Rendite wollen, sind dazu unabdingbar. 

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Gutes Streiken, schlechtes Streiken. Oder: Wie kitzelt man ein System?

Im Diskurs der Klimakrise und den Fridays for future findet sich seit einigen Tagen eine starke normative Position: „Schüler dürfen nicht streiken. Das Schuleschwänzen mache die Anliegen der Fridays for future-Bewegung nicht wertvoller.“ Meine Meinung ist zwiegespalten, nicht weil ich mich nicht festlegen kann, sondern weil es den Beamten und den Wissenschaftler in mir gibt. Als Beamter sage ich klar: Wer dem schulischen Unterricht fernbleibt, der muss die Konsequenzen tragen und bestraft werden!

Als Wissenschaftler sehe ich die Angelegenheit differenzierter: Über die Art der Strafe lässt sich reden. Im Strafen werden die Schrauben gestellt, die über die Radikalisierung der Bewegung entscheiden werden. Kluge Strafen und umsichtiges Agieren wären angebracht, sonst wächst die Kluft zwischen dem normativen System der Rechtsstaaten und dessen negative Wahrnehmung durch die Demonstrierenden. Wir brauchen keinen Klimaterrorismus, der sich in der schon jetzt aufgeheizten ideologischen Stimmung bilden könnte, wenn Strafen und weiteres Nichtstun oder Zuwenigtun zur Frustration der Demonstrierenden führen. Natürlich befinden sich die Schulen in einer denkbar prekären Situation. Als staatlichen Institutionen repräsentieren sie den Staat und können schlecht gegen ihn vorgehen, indem sie die Schüler unterstützen, also nicht bestrafen. Damit gefährden sie den Rechtsstaat. Aber gerade in dieser Loyalitätsmisere liegt der Hebelpunkt, an dem die demonstrierenden Schülerinnen und Schüler (es gibt genug, die brav und konform in die Schule gehen) ansetzen. Genau dort liegt ihre Macht, den Staat und somit das fossile System, das wir alle noch stützen, zu Reaktionen zu bewegen.

Der Staat, kann diese mannigfaltigen Rechtsbrüche nicht hinnehmen. Also muss er sich bewegen. Natürlich könnten auch schöne Umweltprojekte, angestoßen von der Schulleitung und dem Lehrer*innenkollegium, gemacht werden, wie ich sie in meiner Schulzeit sehr schätzte: Anlage eines Teiches inklusive Feuchtbiotope. Wie habe ich mich über Bergmolche gefreut! Müllsammelaktionen und Schnibbeln im Schulgarten. Allein damit wurden wir und der projektleidende Lehrer schon als idealistische Grünen-Spinner abgetan, die sich in deutschen Romantizismen ergehen. Bergmolche! – Spinnereien in einer Schule, die sich selbst als elitär verstand und nur pragmatisch und utilitaristisch dachte. Umwelt und Umweltschutz, so wurde uns vermittelt, gehörten allenfalls zu den lieblich-kitschigen Luxusartikeln bayerischer Schulwerkzeuge. Die Schule folgte damit lediglich der Politik – wie hätte sonst ihr Weg aussehen können, sie ist doch Teil des Ämter- und Behörden-Staats.

Aber die Klimakrise ist kein lieblich-kitischiger Luxusartikel wie die gute Luft, das reine Wasser oder der Lärm der Zivilisation. Es hat nichts mehr mit dieser Trias zutun, die im ausgehenden 20. Jahrhundert von deutscher Politik als Umwelt verstanden wurde: Lärm, Wasser, Luft. Die Welt der Umwelt, wie sie von der Politik konstruiert wurde, ist seitdem wesentlich komplexer geworden. Aber erst in den 1990er Jahre tauchte die Klimakrise in der Politik der großen Volksparteien auf. Natürlich mit Einschränkungen: Ökonomisch umsichtig müsse man sie behandeln. Man müsse auf die Unternehmen achten, auf Wirtschaftlichkeit. Oder von seiten der SPD: Klimapolitik dürfe nicht zu Lasten der arbeitenden Klasse gehen. Fragte man in den 1990er Jahren bei der SPD nach, ob es Arbeiter und Angestellte nach einem Klimakollaps geben werde, so hieß es: „Dann geh‘ doch zu den Grünen!“ Kurzsichtigkeit prägte die Politik, da konnten das IPCC warnen, was es wollte. Klimakrise heruntergebrochen auf die Nationalstaaten, bedeutete immer das Aufrufen eines Arguments: Der anthropogen verursachte globale Klimawandel, so es ihn denn gibt, müsse global gelöst werden. Schaut man die Wahlprogramme zu den Bundestagswahlen in den 1980er und 1990er Jahren an, so zeigt sich, dass der globale Klimawandel und die Klimakrise ein Angst-Unternehmen der Wissenschaft, der Presse und einiger Teile der Bevölkerung war, aber nicht eine Sache der Politik. Nicht einmal die Grünen kamen in den 1980er Jahren über die Umwelt-Trias Lärm, Wasser, Luft hinaus.

Nun haben wir die Misere. Das Fossile System, auf das sich unsere Demokratien und unsere Gesellschaften stützen, haben nicht genug auf sich geachtet. Nun wenden sich Schülerinnen und Schüler gegen dieses System, indem sie Rechtsbruch begehen und dafür rechtmäßig bestraft werden. Was soll sich denn daraus ergeben? Wollen wir wirklich eine Radikalisierung der Bewegung?

Für Deutschlands föderale Struktur gilt: Die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten müssten die Streiks so schnell wie möglich beenden. Das gebietet die Verantwortung gegenüber der Rechtsstaatlichkeit. Fridays for future sollte transformiert werden. Aber das bedeutet etwas, an das ich kaum glauben kann: Dass sich das System selbst umbaut.

Es gibt in im Fall der Klimakrise kein gutes Streiken im Sinne des Rechtsstaats, weil sich der Streik mit dem Rechtsstaat und gegen ihn spielt. Moralisch hingegen ist der Streik das wichtigste, was in den letzten Jahren in der Jugendbewegung zu verzeichnen ist. Diese Diskrepanz zu lösen, ist nun die Aufgabe der Regierungen – nicht der Schüler und Schülerinnen.

„Ach, wie schön ist CO2!“ Eine Geschichte der Klimakrise

Die durch Menschen verursachte globale Erwärmung ist nicht erst seit den 1970er Jahren bekannt, wie heute immer wieder behauptet wird. Hermann Flohn, er war dafür verantwortlich, dass der bevorstehende Klimawandel elitär-international am Ende der 1970er Jahre wahrgenommen wurde, konnte auf älteres Wissen zurückgreifen. Dieses Wissen über die Auswirkungen der anthropogen verursachten CO2-Emission formierte sich ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Aber auch dieses Wissenschaffen konnte sich auf die Erkenntnisse aus der Gletscherforschung in der Schweiz und der Forschungen zur Thermodynamik im 18. Jahrhundert stützen. Die Erkenntnisse um die Gefahren der CO2-Emission und die offensichtlichen Prognosen haben somit eine lange Geistesgeschichte.

Gebracht hat dieses Wissen um die anthropogenen Einflüsse im 19. Jahrhunderts nichts, auch nicht im 20. Jahrhundert. Die Klimakrise ist somit ein Beispiel dafür, wie wenig Wissen gegenüber einem System ausrichten kann, das sich zeitgleich mit diesem Wissen etablierte. Das Wissen erfasste die Gefahren des Systems, aber das System versprach mehr Gutes, als die Angst vor seiner dunklen Seite hätte es einschränken können. Doch von welchem System wird hier gesprochen?

Das fossile System des Fossilen Zeitalters wurde getragen von der Verheissung der Unabhängigkeit, der Freiheit im 18. Jahrhundert. Freiheit von den Rahmenbedingungen, die durch Wetterereignisse und Klima bis dahin gegeben waren. Die Territorien Europas vor der Französischen Revolution waren agrarisch strukturiert. Die Strukturen der Ständegesellschaften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit bis hinein ins 19. Jahrhundert beruhten auf der Abhängigkeit von der Umwelt. Die Entdeckung Amerikas für Europa brachte durch Bodenschätze eine Wende in Europas Wirtschaftssystem. Gold – eine Ressource aus dem Boden wie Kohle und Erdöl – bot mehr Unabhängigkeit als das agrarische Wirtschaftssystem. Missernten führten zwar immer noch zu Hunger, Tod und Verzweiflung, aber das Wetter hatte nicht mehr den bedeutenden Einfluss auf den Reichtum eines Herrschers, der Gold fördern konnte. Der großflächige Abbau und Einsatz europäischer Schätze, die Kohle in England, Frankreich und in den Territorien des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation sollten allerdings noch einige Jahrhunderte schlummern, denn ihr Energiepotential bedurfte einer Transformationsapparatur, um es nutzbar zu machen. Sie fand sich in der Verbesserten und anwendungstauglichen Entwicklung der längst bekannten Dampfmaschine im 18. Jahrhundert. Doch fossile Brennstoffe, Kohle und Erdöl, nutzten Menschen schon seit der Steinzeit. Allerdings stieg der fossile Anteil in der Gesamtverbrauchsmenge der Energieträger erst mit der Industrialisierung in seiner Unproportion. Auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik lässt sich dieser Prozess um die Mitte des 19. Jahrhunderts datieren. Das ist eine Zeit der Revolution, des gesellschaftlichen Umbaus, der Vergrößerung der Städte, der punktuellen Entstehung von Industriebetrieben. Dies alles ging nur mit dem Einsatz fossiler Energieträger. An Holz hatte es schon seit Jahrhunderten in Europa gemangelt. Seitdem stieg die CO2-Emission wohl sprunghaft an. Dass das Spurengas CO2 allerdings mit der Erwärmung der Erde etwas zu tun haben könnte, wurde erst 1881 von einem Wiener Chemiker, Ernst Lecher, entdeckt. Lecher konnte sich unter anderen auf die Vorarbeiten von Joseph Fourier (1827) und John Tyndall (1860er Jahre) berufen. Fourier entdeckte den Treibhauseffekt, John Tyndall konnte den Treibhauseffekt als Verantwortlichen für das Weltklima identifizieren, machte aber Wasserdampf dafür verantwortlich. Ernst Lecher wies das Spurengas CO2 als Grund des Treibhauseffekts nach. Er veröffentlichte seine Erkenntnisse in einem kurzen prägnanten Aufsatz 1881.

Es sollte noch 15 Jahre dauern, bis die anthropogen verursachte CO2-Emission und ihre Auswirkungen auf die Erdtemperatur kombinatorisch aus einem großen Wissenspool von Svante Arrhenius zusammengefügt wurden. Arrhenius benötigte allerdings das Wissen seines Freundes, dem Geologen, Arvid Gustaf Högbom, der wie bereits 1827 Joseph Fourier auf die anthropogen verursachten Treibhauseffekt aufmerksam machte. Im Gegensatz zu Fourier, konnte Högbom bereits auf das CO2 verweisen. Arrhenius entwickelte daraus eine Klimatheorie, die er 1896 veröffentlichte. Spätestens 1896 und nicht erst in den 1970er Jahren war das Wissen über die Gefahren anthropogen verursachten CO2-Eintrags vorhanden. Interessiert hat das niemanden!

Rauch war gut. Qualmende Schlote repräsentierten Fortschritt, gutes Leben, hohen Lebensstandard, Reichtum, Glück, eine neue gute Gesellschaft, die in die Zukunft blicken konnte. CO2-Emissionen waren einfach cool. Demokratien ohne CO2? – Undenkbar! Partizipation an politischen Prozessen ohne CO2? – Undenkbar! Urlaub, Tourismus, Wellness ohne CO2? – Undenkbar! Der gute, hohe Lebensstandard, Internet, Smartphones ohne CO2? – Undenkbar! Auch das muss festgehalten werden.

Während das Fossile System sich im 19. Jahrhundert entwickelte, schmolzen seit den 1850er Jahren die Gletscher – weltweit. Liest man Berichte über die Alpengletscher aus dieser Zeit, so glaubt man, sie stammten aus dem 21. Jahrhundert. Dieses Abschmelzen der Gletscher hat vor allem auch andere Gründe als die anthropogen verursachte CO2-Emission. Das Entsetzen, das in diesen Texten mitschwingt, ist identisch in heutigen Beiträgen zu spüren.

Die Chimäre des Fossilen Systems, ein Mischwesen aus Gut und Böse, hat sich im 20. Jahrhundert verwandelt in das Böse, das nun jene Demokratien und Gesellschaften bedroht, die es hervorgebracht hat. Das liegt vor allem an der Stabilisierung seiner fossilen Grundlage, von dem alle Lebensbereiche abhängig sind. – Alle Lebensbereiche beruhen auf der Abhängigkeit CO2-emittierenden Energieträgern. – Durch diesen pyramidalen Aufbau des Fossilen Systems lässt es sich nicht reformieren und überführen in ein solar-regeneratives System. Die Basis dieser Pyramide stellen die fossilen Energieträger dar. Entfernt man sie, stürzt das gesamt System ein. Es hätte durch die Politik eine evolutionärer Austausch der fossilen Basis, vorgeschrieben werden müssen. Erfolgreich wäre dies nur global vollzogen worden. Hätten einzelne Staaten konsequent gehandelt, hätten sie immense ökonomische Nachteile gegenüber den anderen Staaten gehabt. Also hätte, wie in den 1970er Jahren korrekt konstituiert, eine globale Initiative erfolgen müssen, die alle Staaten ökonomisch geschwächt hätte. Da dies niemand wollte, konnte sich beispielsweise die Regierung der 1980er Jahre in der BRD darauf berufen, Klimapolitik müsse globale Politik sein, national könne hier wenig ausgerichtet werden – so die Wahlprogramme der CDU/CSU in dieser Zeit. Der SPD war Klimapolitik nahezu vollkommen egal. Mitunter deswegen wird sie heute abgestraft. Ihr wird keine Kompetenz für die Lösung von existentiellen Problemen zugetraut. Das ist durchaus berechtigt, weil sie keinerlei Ideen für eine Lösung beitrug und heute beiträgt. Wiederum liegt das in dem schwerfälligen System der SPD begründet. Sie agierte für ein besseres Leben der Menschen, ließ aber Umweltszenarien völlig ausser Acht.

Wozu wäre es also höchste Zeit? Eine Revolution von oben ist notwendig und die Bereitschaft aller – dafür den momentanen Lebensstandard zu opfern. Wir müssten bereit sein, ökonomisch neu zu denken, müssten Schrumpfung in Kauf nehmen und uns von dem Wachstum verabschieden. Finanzmittel müssten freigesetzt werden, müssten in den global angeordneten revolutionären Umbau des fossilen Systems gesteckt werden. Nur dies wäre ökonomisch in die Zukunft gedacht. Alles andere, ist unökonomisch!

Aber der Mut fehlt und die Notwendigkeit scheint noch immer nicht gegeben. Was muss noch alles passieren, damit eine solche geordnete und verordnete Revolution von oben auf den Weg kommt?

Wahrscheinlicher ist momentan ein anders durchaus apokalyptisches Szenario. Die begrenzten fossilen Ressourcen werden in zwei Jahrzehnten aufgebraucht sein, das fossile System bricht zusammen, die globale Erwärmung wird soweit fortgeschritten sein, dass es nun allen einleuchtet: Ökonomisch begründbar kann das fossile System nicht mehr aufrechterhalten werden. Wie auch, es wird keine fossilen Ressourcen mehr geben! Dann ist es natürlich längst zu spät, um zu reagieren. Menschen werden regiert von äusseren Einflüssen. Da wird auch folgendes kein Trost sein: Ohne fossile Ressourcen wird es keine gewaltigen CO2-Emissionen mehr geben. Folglich ist auf lange Sicht die globale Erwärmung nicht mehr relevant. Ein Abkühlung wird erfolgen. Der Preis dafür wird hoch sein: Die Weltbevölkerung der Spezies Mensch wird im Vergleich zum heutigen Stand gewaltig reduziert sein. Die Umweltschäden werden gigantische Ausmaße erreicht haben. Und die Form der Staatssysteme? Darüber können wir nur mutmaßen. In dieser Zukunftsvision wird sich Politik sicherlich radikalisiert haben. Ob Demokratien dann eine zeit- und umstandsgemäße Staatsform sein werden, sei dahingestellt. – Wollen wir das wirklich?

Das fossile System wird in 20 Jahren so und so nicht mehr bestehen. Es ist besser eine globale Revolution von oben anzustreben, als in eine unkontrollierte Revolution unverantwortlich hineinzuleben. Diesen Prozess könnte die Bewegung „Fridays for Future“ auslösen. Ohne die berühmten Einschnitte unseres Lebensstandards wird das nicht funktionieren. – Askese, Metanoia, Katharsis sind die Wörter der Stunde.

Fridays for future: „Die einen bekommen Verweise, die anderen werden straffrei abgewählt.“

Fridays for future: „Die einen bekommen Verweise, die anderen werden straffrei abgewählt.“

Aus meiner Perspektive des Geschichtswissenschaftlers und historischen Diskursforschers, der historische Klimaforschung zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten zählt, bleibt mir einzig zu schreiben: Ich unterstütze die Anliegen der Schülerinnen und Schüler sowie Studierenden, die an den „Fridays for future“ vorgetragen werden, entgegen der herablassenden Äusserungen einiger Politikerinnen und Politiker, die offenbar immer noch nicht den Ernst der Lage begriffen haben. Anders ausgedrückt: Auch die ökonomische Dimension des Klimawandels, die für die eine/n oder andere/n vielleicht verständlicher ist, scheint noch nicht überschaubar genug zu sein. Die Dimensionen Liebe, Pflicht, Verantwortung, Tugend, Moral möchte ich hier noch gar nicht erwähnen. Ökonomische Argumente sollten doch in kapitalistischen Systemen ankommen, auch wenn sie ein wenig kompliziertere Simulationen erfordern, die auch eine gewisse Vorstellungskraft benötigen. Aber diese Simulationen lassen sich ganz einfach ausdrücken: Wenn es keine funktionierenden Märkte mehr gibt, funktionieren die Märkte nicht mehr. – Sagt die Form der Redundanz nicht alles? Natürlich, es gibt das Prinzip Hoffnung: Es wird schon nicht so schlimm. Über die Qualität des Wandels, der uns bevorsteht, lassen sich in der Tat keine Aussagen machen. Dass es ihn geben wird, steht ausser Frage: Wir werden das fossile Zeitalter verlassen: so oder so! Gekocht, gegrillt, vergiftet, erdrückt, ertrunken, wohl kaum entspannt und gut gelaunt, aber verlassen werden wir es. Ist es da nicht gut, dass Schülerinnen, Schüler, Studierenden ihre Stimme erheben, um wenigstens die Qualität des Wandels zu beeinflussen? Wir, die wir alle in dem System stecken, brauchen diesen Anstoß von denen, die noch weiter entfernt sind, um deren Zukunft es aber vor allem geht.

Auch Wissenschaftlern, die sehr genaue Vorstellungen davon haben, was passieren wird, wenn die Politik untätig bleibt, können nichts tun, außer Wissen zu schaffen. Die Politik muss handeln, dafür ist sie in unserem System eingerichtet. Sie tut es nicht, weil sie auf die weitsichtige Wissenschaft weniger hört als auf die kurzsichtige Ökonomie. Also muss der Anstoß von denen kommen, für deren Welt wir die Verantwortung tragen. Es ist – um es noch einmal zu sagen – damit eine Notwendigkeit ihre Anliegen zu unterstützen.

Es ist eine Notwendigkeit, Klimawandel, seine Geschichte und seine Zukunft zu Bestandteilen der Lehre in Schulen und Hochschulen zu machen. Der Umgang mit dem Gewordenen, der Umgang mit dem, was auf uns gekommen ist und was wir daraus entwickeln, welche Gefahren, welche Chancen daraus entstehen, muss aus der Forschung noch viel mehr in die Öffentlichkeit getragen werden. Die Naturwissenschaften haben ihren Anteil daran, die Geistes- und Sozialwissenschaften in den Environmental Humanities and Social Science nicht minder oder vielleicht sogar noch mehr. Sie sind die Mittler gegenwärtiger Forschung und Reflexion gegenwärtiger diskursiver Formationen, aber auch des Wissens aus der Vergangenheit.

Für die Politikerinnen und Politiker gilt eines: Mit allen finanziellen Mitteln, aber vor allem mit gesetzgeberischer Macht, müssen sie den Umbau vorantreiben, um die globale menschengemachte Erwärmung einzudämmen. Das können nur sie! Wir liefern Wissen, wir liefern Reflexion und Möglichkeiten. Die Umsetzung liegt in Rechtsstaaten bei der Politik. Nun ließe sich sagen: Der Klimawandel ist zu groß. Die Geister, die wir riefen, sind so übermächtig. Wenn man nichts tut, ist das sicherlich so. Tun – Aktion – bedeutet: das Fossile Zeitalter endlich hinter uns lassen. Dass Aktion etwas bringt, dafür gibt es gute Beispiele. Wir müssen nicht weit zurückblicken: Der Saure Regen und das Waldsterben der 1980er Jahre sowie das Ozonloch sind Beispiele dafür, wie erfolgreich durch Gesetze anthropogen verursachte Klimaschäden eingedämmt und überwunden werden können. Ökonomisch argumentiert: Jeder finanzielle Aufwand wird sich auszahlen, wenn dadurch zukünftig ökonomische, ökologische und vor allem mannigfaltige humanitäre Katastrophen verhindert werden können.

Schülerinnen, Schüler, die auf die Straße gehen und dort diese Anliegen vortragen und ihr Engagement sichtbar machen, müssen mit Repression rechnen. Verweise und andere schulische Strafen sind für das Fernbleiben vom Unterricht gesetzlich vorgeschrieben. Sie gehen damit bewusst das Risiko ein, die Folgen zu tragen, die ein Verstoß gegen die Normative des Rechtsstaates mit sich bringt. Die Seite, die sie ansprechen wollen, die Politikerinnen und Politiker, dürfen hingegen eines nicht: die Grundrechte – auch für zukünftige Generationen – nicht beachten. Auch sie haben wie die Schülerinnen und Schüler Verpflichtungen gegenüber Normativen. Aber sie haben eindeutig die „bessere“ Position und die „besseren“ Chancen straffrei aus ihrem Tun beziehungsweise Nichtstun herauszugehen:

Die einen bekommen Verweise, die anderen werden straffrei abgewählt. – Für verantwortungsloses Nichtstun werden sie nicht zur Rechenschaft gezogen werden können. Sie werden, so es noch Demokratien gibt, abgewählt worden sein. Keine Demokratien mehr? Kann das sein? Auch unsere Staatsform steht auf dem Spiel. Klimawandel und seine Folgen radikalisieren. Werden wird 2045 unsere gewohnte Gesellschaftsform und alle anderen unserer liebgewonnenen Gewohnheiten unsers gegenwärtigen Lebensvollzugs noch wiederfinden, in ihnen und mit ihnen leben? Werden sie musealisiert worden sein in Freilichtmuseen der guten alten Zeit? Die Antwort ist einfach: Der Wandel ist uns sicher, wenn nichts getan wird kommt er ebenso. Wenn etwas getan wird, kommt er auch. So wird es nicht weiter gehen. Es bedarf also nur einer mutigen Entscheidung, die niemals so falsch sein kann, wie das Nichtstun.

Denkt an Sauren Regen und Ozonloch! – Handeln lohnt sich.

Modell interdisziplinärer Metastudien

Erkenntnisbezogene Signifikanten-Interaktionsanalyse 

Das Forschungsprojekt, das mich das gesamte Jahr 2018 begleitete, lief unter dem Titel: „Alpen im Treibhaus. Gesellschaftliche Konstitution von Klimawandel und Treibhauseffekt“. Es sollte in Forschung und Lehre epochenübergreifend der Klimawandeldiskurs untersucht werden, der sich aus dem Gletscherdiskurs und dem Themrodynamikdiskurs im 19. Jahrhundert speiste. Es ließe sich teleologisch sagen: Die Diskurse vereinigten sich und fanden im Nobelpreisträger Svante Arrhenius ihr Ziel – der Vater des Klimawandels. Doch der Klimawandel hat wie andere Themen auch viele Väter (im 19. Jahrhundert waren es tatsächlich nur Männer), nichts kommt aus dem Nichts. Die Idee bestand für dieses Projekt bereits darin, den Diskurs des Klimawandels weit zurückzuverfolgen. Bereits der erste Projektentwurf führte zur Einsicht, dass die diskursanalytisch angelegte Studie vom 13. Jahrhundert bis 1900 in Savoyer, Schweizer und Tiroler Alpen Erkenntnisse vieler verschiedenster Disziplinen bearbeiten, ordnen und in Relation zueinander bringen muss. Das Problem interdisziplinärer Arbeit liegt selbstverständlich in der mangelnden jeweiligen disziplinären Expertise. Trotz dieses Mangels mussten umfangreiche physikalische, chemische und geologische Abhandlungen des 18. und 19. Jahrhunderts erfasst und analysiert werden. Die Lösung dieses Expertiseproblems lag in einem erkenntnisbezogenen Analysemodell. Das bedeutet, es wurden lediglich die sprachlich ausformulierten Ergebnisse dieser vielen naturwissenschaftlichen Studien ausgewertet, ohne auf deren mathematischen Berechnungen oder chemischen Darstellungen einzugehen. Als Auswertungsmethode wählte ich die ebenfalls die von mir erarbeitete Signifikanten-Interaktionsanalyse als wissensgeschichtliche und soziologische Methode. Sie verwendet wissenschaftliche Ergebnisse als Grundlage und erstellt mit ihnen Werte- und Rechtfertigungsordnungen, mit denen sich Wissenshierarchien und deren relationales Verhalten zueinander beschreiben lassen. Dieses Prinzip ermöglicht in einem abstrakten Rahmen interdisziplinär in einem historisch-geisteswissenschaftlichen Modus zu analysieren.

Dieses Prinzip soll nun auch auf andere Wissensbereiche und auch auf die Erforschung der Materie (cultural heritage) übertragen und vor allem erprobt werden: Ist es möglich beispielsweise im Frühmittelalter, in einer datenarmen Zeit (signifikantenarmen Zeit) diese Methode anzuwenden, die interdisziplinären Erkenntnisse im Rahmen einer Metastudie aufeinander zu beziehen und dadurch weiterführendes Wissen zu generieren? 

Am Beispiel der Quellengrundlagen und Erkenntnisse über den „ottonischen“ Augsburger Dom, soll diese Weiterentwicklung der Signifikanten-Interaktionsanalyse erfolgen. Das Projekt hat einen Experimentcharakter. Der Mehrwehrt könnte beispielweise darin liegen, eine Ordnung des „ottonischen“ Augsburger Doms zu erstellen, in der materiellen Grabungsbefunde und Bestandsfunde korreliert werden mit den schriftlichen Fundstellen, sowie kunsthistorischer Stilistikkategorien. Es handelte sich dabei also um eine Metastudie, die bestehende Studien in sich vereint, und 1. als Forschungsdiskurs analysiert und 2. korreliert mit einem Dingdiskurs, also den Kirchbau und seine Elemente in der Relation zu Vergleichsbauwerken und -bauelmenten. Möglich werden dadurch neue Blicke auf Chronologisierung, stilistische Relationalität, formale Bezüglichkeiten. 

Am Ende dieses neuen Projekts für 2019 könnte ein Modell stehen, das sich als interdisziplinäre Analysemethode unter geisteswissenschaftlichem Vorzeichen versteht. Neben den Environmental Humanities könnten besonders die jene Forschungsobjekte profitieren, die in einem signifikantenarmen Kontext liegen. Das heißt, beispielsweise in der frühen Kunstgeschichte, Mittelalterlichen und Alten Geschichte, aber auch in der Archäologie. 


Die Ordnung des Augsburger Doms des 10. Jahrhunderts

Vorbereitung einer interdisziplinären Signifikanten-Interaktionsanalyse  (SIA)

Der Augsburger Dom gilt als ottonischer Kirchbau, der um 1000 errichtet worden sei. Vergleiche mit Bauwerken ottonischer Stilistik hält er nicht stand. Wohin gehört dieses Bauwerk, das eine  gewestete Transeptbasilika war, vergleichbar Alt-St. Peter in Rom? 

Das 10. Jahrhundert liegt vor uns als signifikantenarme Zeit. Aussagen lassen sich bezüglich des Doms schwer valide belegen. Der Beitrag möchte versuchen, alle bekannte Signifikanten, die mit dem Dom in Verbindung stehen, aufeinander in einer Dingdiskursanalyse, dann aber auch in einer textbasierten Analyse aufeinander zu beziehen. Daraus entsteht eine Einordnung des Augsburger Doms in einer Rückbezüglichkeit. Er verweist – jenseits der Berichte über seine Errichtung am Ende des 10. Jahrhunderts – in zeitlich frühere Signifikantengruppen, die teils in Augsburg zu finden sind, teils in Südwestdeutschland, teils im heutigen Italien. 

Georg Dehio/Gustav von Bezold: Kirchliche Baukunst des Abendlandes. Stuttgart, 1887-1901, Abb. 50

Die zugrunde gelegte Methode ist die Signifikanten-Interaktionsanalyse (SIA). Sie wird hier erstmals eingesetzt in einem Zeitraum, der signifikantenarm ist. Zu wenige Textstellen, zu wenige Grabungsergebnisse lassen kein klares Bild entstehen. Einige traditionelle Einschätzungen und Zuschreibenden sind nicht vollständig überzeugend. Bietet die SIA eine Möglichkeit, aufgrund der wenigen Ergebnisse und Vergleichsmomente ein anderes Bild zu entwerfen? Würde dieser Versuch gelingen, das heißt, würde sie einen Mehrwert erbringen, so ließe sie sich für andere interdisziplinäre Projekte mit geringer Datendichte anwenden.  – Ein Versuch. 

Environmental Humanities und der Deutsche und Österreichische Alpenverein

Seit einigen Wochen versuchte ich einen Artikel über die wissenschaftliche Tätigkeit des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins im 19. Jahrhundert zu verfassen. Eine Unmenge an Material war zu sichten. 36 Jahrgänge des Jahrbuchs und 31 Jahrgänge der Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Es ist ein bedeutend interessantes Materials, wenn auch recht umfangreich: ca. 20.000 Seiten im Gesamten, heruntergebrochen auf die Glaziologie, um die ich mich kümmerte, waren des dann doch bedeutend weniger Seiten. 

Der Klimawandeldiskurs wurde im 19. Jahrhundert vom Gletscherdiskurs geboren. Ohne die Glaziologie und die mannigfaltigen Beiträge, die schon seit dem 13. Jahrhundert greifbar werden, gäbe es wohl einen anderen Klimawandeldiskurs, als den den wir heute kennen. Doch es ist naheliegend, wie sehr Gletscher und Klimawandel zusammengehören: Sie und ihre Spuren sind die sichtbarsten Anzeichen, dass das Klima Auswirkungen hat auf Landschaft, auf Lebenswelten, Biotope. Gletscher gedeihen und verzagen in einem auf Klimaschwankungen hochsensiblen Raum der Berge. Deswegen wuchsen und schmolzen sie in den Jahrtausenden je nachdem, wie sich das Klima gerierte und gaben im 19. Jahrhundert eine Ahnung davon, wie schnell sich die scheinbar stabile Longue durée des geographischen Raums unmittelbarer Umwelt ändern kann. 

Der DuOeAV lieferte eine hervorragende Datenmenge über die Gletscher der Voralpen während einer Schmelzperiode der Gletscher, die 1856 einsetzte. Das Abschmelzen ging äusserst schnell voran. Es ist ganz erstaunlich, dass bei diesem Tempo, das die Gletscher im 19. Jahrhundert vorlegten, verglichen mit den meteorologischen Bedingungen im 21. Jahrhundert überhaupt noch etwas von ihnen übrig ist. Ein Blick auf diese Abschmelzphase ist ernüchternd, auch wenn sich die Gletscher von einem hohen Niveau einer mehrere Jahrzehnte andauernden Kaltphase zurückzogen. Möchte man die Sorge der Glaziologen im 19. Jahrhundert aus ihren Texten herauslesen, dann ist die Angst zu spüren, die Gletscher mögen ganz verschwinden. Deswegen verwendeten sie ein zyklisches Muster einer Periodentheorie: Im Zyklus von 35 oder 70 Jahren wachsen und schmelzen die Gletscher. Am Zyklus hing die Hoffnung, alles würde sich normalisieren. Doch als in den 1880er Jahren nach dem 35-jährigen Zyklus die Gletscher einfach nicht wachsen wollten, wurden sie unruhig. Weil sie sich nach dem Anwachsen der Gletscher so sehr sehnten, nahmen sie aber Wachstum wahr. Die Geodäsie allerdings konnte es nicht bestätigen. Im Ersten Weltkrieg wuchsen sie dann tatsächlich – nach der Regel der Gletscher verspätet, aber immerhin. Doch das Wachstum hielt nicht lange an. Der Zyklus blieb aus. – Heute würden diese Glaziologen denken, ihre einstige Sorge, war berechtigt: die Gletscher verschwinden ganz. 

Erstaunlich sind die Methoden der Glaziologie des DuOeAVs gewesen. Wir würden sie heute als Environmental Humanities bezeichnen. Denn die Geodäsie und die Kartographie reichte ihr nicht, sie holte sich Historiker und historisch arbeitende Geographen, um dem Tun der Gletscher auf die Spur zu kommen. – Ein bemerkenswerter Verein mit äusserst zeitgemäßen Zügen. 


Gletscherschwund im 19. Jahrhundert

Seit 1855 schmolzen die Alpengletscher dahin. Sie verloren außergewöhnlich schnell an Masse. Der Grund lag in einem Klimawandel, der das 19. Jahrhundert aus einer Kälteperiode herausführte, die um das Jahr 1818 eingesetzt hatte. In den 1820er Jahren wuchsen die Gletscher im gesamten Alpenraum unverhältnismäßig. Das Jahr ohne Sommer, 1816, bildete den Auftakt einer jahrzehntelangen Kaltzeit, die auf Aerosole in der Atmosphäre der Nordhalbkugel beruhte. Das Tambora-Ereignis von 1815 war dafür verantwortlich. Um so erstaunlicher war der plötzliche Umschwung 1855, der sich vor allem in den 1860er Jahren bemerkbar machte. Die Berichte über diesen Schwund der großen Gletscher, tragen oft einen besorgten Unterton.

Dieser Schwund des 19. Jahrhunderts ist bis heute nicht gestoppt. Als die Aerosolbelastung durch das Tambora-Ereignis in den 1850er Jahren nachließ, begann das große Schmelzen. Verstärkt wurde es im 20. Jahrhundert durch atmosphärisches Kohlenstoffdioxid.

Erstaunlich in der Wahrnehmung sind die Berichte des 19. Jahrhunderts. Wir lesen sie mit den heutigen frames und wähnen Identität. Und doch zielten sie auf ein völlig anderes Phänomen.

Wie Loyol war Leopold? Mozart und die Jesuiten in Augsburg (Werkstattbericht)

 

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Die Stadt Augburg schickt sich an, eine neue Dauerausstellung über Leopold Mozart im Augsburger Mozarthaus zu konzeptionieren. Eine höchst erfreuliche Aussicht, die Lepold Mozart mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen wird. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, schließlich feiert Leopold Mozart 2019 seinen 300. Geburtstag. Parallel wird es eine Ausstellung und ein Festprogramm in Salzburg geben. Gemeinsam mit Cornelia Wild fragen wir: Welche Bedeutung hat die Stadt Augsburg für Leopold? Wie verhält sich der Titel Deutsche Mozartstadt zu ihm? Im Fokus der Betrachtung steht nicht nur die gesellschaftliche Konstitution Leopolds als eigenständige Künstlerperspönlichkeit und Sohn der Stadt, sondern auch seine diskursives Umfeld in seinem Wohnort, der Jesuitengasse.

Wie Loyol war Leopold? Wie viel jesuitische Gegenreformation und Rebellion stecken in ihm?

Ein Beitrag von Cornelia Wild und Stefan Lindl zum Leopold Mozartjahr 2019.

 

 

Felix Guffler: Der Untere St. Jakobs-Wasserturm in Augsburg

Ein weiterer Beitrag zur UNESCO-Welterbebewerbung

„Augsburger Wasserwirtschaft“

 

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Felix Gufflers neues Buch über den St. Jakob-Wasserturm ist ein weiterer empfehlenswerter Beitrag zur Augsburger Wasserwirtschaft im 17. Jahrhundert. Elias Holl hat auch diesen Wasserturm für die unvergleichliche städtische Wasserversorgung Augsburgs gebaut.

Erhältlich ist die Monographie bereits in der Buchhandlung am Obstmarkt.