McLuhan über Nachrichten und Gedächtnisverlust

„Der innere Trip ersetzt den äußeren Trip. Die rechte Hemisphäre ist ein innerer Trip, eine Phantasiewelt. Heute ist das, was wir Nachrichten nennen, Phantasie. Genauso wie sie mit Lichtgeschwindigkeit entstehen, verschwinden sie auch wieder. Eine weitere Eigenschaft der Lichtgeschwindigkeit ist der Gedächtnisverlust. Die Konzentrationsdauer wird geringer und das Gedächtnis schwächer. Für die Bildungseinrichtungen ist das ein großes Problem. Man hat mit Studierenden zu tun, die sich nicht mehr lange Konzentrieren und sich kaum noch an etwas erinnern können.“

Wäre das, was Sie 1978 feststellten, ein Problem der Kontinuität, das immer weiter in den Abgrund führt, Herr McLuhan, so wäre heute 2017 Unterricht gar nicht mehr möglich. – Aber der Gedächtnisverlust klingt bei Betrachtung aller Phänomene unseres Weltgeschehens als durchaus nachvollziehbar. Wir sind der Lichtgeschwindigkeit der Nachrichten ausgesetzt, deren Mündlichkeit eine Schriftlichkeit der social media geworden ist, und leiden unter einer gewaltigen Amnesie. Ich denke, und ich meine das nicht ironisch schmunzelnd, es ist Zeit, dass die Geschichtswissenschaft wieder eine Leitwissenschaft wird, weil sie sich im Erinnern übt.


Marshall McLuhan. Das Medium ist die Botschaft, Dresden 2001, S. 29.

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