Modell interdisziplinärer Metastudien

Erkenntnisbezogene Signifikanten-Interaktionsanalyse 

Das Forschungsprojekt, das mich das gesamte Jahr 2018 begleitete, lief unter dem Titel: „Alpen im Treibhaus. Gesellschaftliche Konstitution von Klimawandel und Treibhauseffekt“. Es sollte in Forschung und Lehre epochenübergreifend der Klimawandeldiskurs untersucht werden, der sich aus dem Gletscherdiskurs und dem Themrodynamikdiskurs im 19. Jahrhundert speiste. Es ließe sich teleologisch sagen: Die Diskurse vereinigten sich und fanden im Nobelpreisträger Svante Arrhenius ihr Ziel – der Vater des Klimawandels. Doch der Klimawandel hat wie andere Themen auch viele Väter (im 19. Jahrhundert waren es tatsächlich nur Männer), nichts kommt aus dem Nichts. Die Idee bestand für dieses Projekt bereits darin, den Diskurs des Klimawandels weit zurückzuverfolgen. Bereits der erste Projektentwurf führte zur Einsicht, dass die diskursanalytisch angelegte Studie vom 13. Jahrhundert bis 1900 in Savoyer, Schweizer und Tiroler Alpen Erkenntnisse vieler verschiedenster Disziplinen bearbeiten, ordnen und in Relation zueinander bringen muss. Das Problem interdisziplinärer Arbeit liegt selbstverständlich in der mangelnden jeweiligen disziplinären Expertise. Trotz dieses Mangels mussten umfangreiche physikalische, chemische und geologische Abhandlungen des 18. und 19. Jahrhunderts erfasst und analysiert werden. Die Lösung dieses Expertiseproblems lag in einem erkenntnisbezogenen Analysemodell. Das bedeutet, es wurden lediglich die sprachlich ausformulierten Ergebnisse dieser vielen naturwissenschaftlichen Studien ausgewertet, ohne auf deren mathematischen Berechnungen oder chemischen Darstellungen einzugehen. Als Auswertungsmethode wählte ich die ebenfalls die von mir erarbeitete Signifikanten-Interaktionsanalyse als wissensgeschichtliche und soziologische Methode. Sie verwendet wissenschaftliche Ergebnisse als Grundlage und erstellt mit ihnen Werte- und Rechtfertigungsordnungen, mit denen sich Wissenshierarchien und deren relationales Verhalten zueinander beschreiben lassen. Dieses Prinzip ermöglicht in einem abstrakten Rahmen interdisziplinär in einem historisch-geisteswissenschaftlichen Modus zu analysieren.

Dieses Prinzip soll nun auch auf andere Wissensbereiche und auch auf die Erforschung der Materie (cultural heritage) übertragen und vor allem erprobt werden: Ist es möglich beispielsweise im Frühmittelalter, in einer datenarmen Zeit (signifikantenarmen Zeit) diese Methode anzuwenden, die interdisziplinären Erkenntnisse im Rahmen einer Metastudie aufeinander zu beziehen und dadurch weiterführendes Wissen zu generieren? 

Am Beispiel der Quellengrundlagen und Erkenntnisse über den „ottonischen“ Augsburger Dom, soll diese Weiterentwicklung der Signifikanten-Interaktionsanalyse erfolgen. Das Projekt hat einen Experimentcharakter. Der Mehrwehrt könnte beispielweise darin liegen, eine Ordnung des „ottonischen“ Augsburger Doms zu erstellen, in der materiellen Grabungsbefunde und Bestandsfunde korreliert werden mit den schriftlichen Fundstellen, sowie kunsthistorischer Stilistikkategorien. Es handelte sich dabei also um eine Metastudie, die bestehende Studien in sich vereint, und 1. als Forschungsdiskurs analysiert und 2. korreliert mit einem Dingdiskurs, also den Kirchbau und seine Elemente in der Relation zu Vergleichsbauwerken und -bauelmenten. Möglich werden dadurch neue Blicke auf Chronologisierung, stilistische Relationalität, formale Bezüglichkeiten. 

Am Ende dieses neuen Projekts für 2019 könnte ein Modell stehen, das sich als interdisziplinäre Analysemethode unter geisteswissenschaftlichem Vorzeichen versteht. Neben den Environmental Humanities könnten besonders die jene Forschungsobjekte profitieren, die in einem signifikantenarmen Kontext liegen. Das heißt, beispielsweise in der frühen Kunstgeschichte, Mittelalterlichen und Alten Geschichte, aber auch in der Archäologie. 


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