Gernsbacher Gemeinderat hat abgestimmt
Bürgermeister, die Mehrheit der Gemeinderäte der Freien Bürger, der SPD, der Grünen und die weisungsgebundene so doch mitunter zur internen Kritik befähigte Verwaltung von Gernsbach haben am Mittwoch, 6. Mai 2026, die Stadt Gernsbach zu einem kommunalen Lehrstück gemacht, das mitunter nicht ganz so häufig in der Landschaft der baden-württembergischen Kommunen sein dürfte. Sogar weltweit dürfte dieses kommunale Stück kaum seines gleichen finden. Trotz Widerstand, trotz Protesten von Seiten der Bürgerinnen und Bürger wurde vermittels eines elitistischen Demokratieverständnisses ein ganz und gar erstaunliches Konfliktpotential aufgebaut. Gernsbach zeigt, wie eine technokratische sowie elitäre Auffassung von Demokratie einen unüberwindbaren Konflikt aufwirft, der durchaus destruktive Züge trägt. Ein Bürgermeister wirbelt durch den Stadtfrieden, um seine politische Stärke und seinen Gestaltungswillen einer tragfähigen Zukunft zu präsentieren. Die Bilanz: Er bringt die Bürgerinnen und Bürger gegen sich auf, weil er sie links liegen lässt, und begründet das mit seiner ‚wahrhaften‘ Demokratieauffassung. Damit stellt er klar: Alle Bürger, die Partizipation wollen, die haben keine richtige Demokratieauffassung. Er überzeugt Gemeinderätinnen und -räte seine Politik durchzuwinken. Dann die Entscheidung des Zukunftspakets 2030: Bürger zeigen sich empört, wütend, verletzt. Wie sollen die Gräben in der Kommune nur geschlossen werden? Wie will der Bürgermeister seinen Pflichten in den Vereinen nachkommen? Wie wollen die Gemeinderätinnen und -räte ihre Mandate weiterführen? Am Punkt höchster Verwunderung angekommen, fragt man sich: Was war das? Und warum tun Menschen so etwas. Da kommt die Nachricht: Der Bürgermeister hat die Absicht die Stadt zu verlassen, will aber mit großem Engagement sein Amt weiterführen, bis die neue Stelle durch Wahl bestätigt ist (Pressemitteilung). Der für ihn stimmende Gemeinderat war möglicherweise von seinen Absichten informiert oder auch nicht…
Nun, da gehen dem Autor dieser Zeilen die Worte aus. Zur Erholung geht er in seine Bibliothek, stellt sich vor ein Regal, schließt die Augen, zieht wahllos ein Buch heraus und schlägt es auf. Und was liest er da? Die Geschichte von Herostratos oder auch Herostrat genannt.
Destruktion und Vermächtnis
Herostrat lebte in der griechischen Stadt Ephesos im 4. Jh. vor Christus. Die kleinasiatische Stadt, in der heutigen Türkei gelegen, beheimatete eines der sieben Weltwunder, den Tempel der Artemis. Dort war eine bedeutende Bibliothek, also ein Ort und Hort des antiken Wissens. Ephesos war berühmt, war bedeutend. Gerade deswegen zündete Herostrat eine Fackel an und legte den Tempel der Artemis in Schutt und Asche. Die Bibliothek verbrannte und mir ihr das Wissen. Er tat es aus Ruhm, er tat es für seine Unsterblichkeit, für seinen alleinigen Nutzen. Daraufhin verbot die Stadt Ephesos sogar die Nennung seines Namens. Doch bekannt ist er bis heute, sprichwörtlich: Willst Du denn ein Herostrat sein? Die sprichwörtliche Verwendung machte ihn dann doch unsterblich mit einem sehr ambivalenten Gefühl.
Der Autor dieser Zeilen legt das Buch bei Seite und schaut über das friedliche vor ihm liegende Gernsbach inmitten der Höhenzüge des Schwarzwalds, die Sonne scheint. Und er schreibt: „Ich liebe Dich Gernsbach – selbst Deine Ruinen.“
Beitragsbild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Temple_of_Artemis.jpg Wiki Commons
