Neu: Dolce Vita – Italien im Europa-Park

Ein neues Buch über den Europa-Park Rust und dessen Italien-Rezeption erscheint in diesem Herbst. Zusammen mit Horst Koppelstätter hat es Stefan Lindl konzipiert und geschrieben. Es analysiert am Beispiel des Themenbereichs Italien, die Funktionsweise der Themen des Europa-Parks und warum sie so viele Menschen in ihren Bann ziehen können.

Forschung und Lehre galten bis vor einigen Jahren als die beiden ausschließlichen Säulen der deutschen Universitäten. Inzwischen kam eine weitere hinzu: Third Mission, die Anwendung und die Vermittlung von Wissen.

Diese dritte Mission der Universitäten spielt das neue Buch „Dolce Vita. Italien im Europa-Park“ an. Es entstand eine essayistisch abgefasste Kulturgeschichte Italiens aus einem Ort der Italienrezeption heraus, der ungewöhnlicher nicht sein könnte. Der Ausgangspunkt für diese Kulturgeschichte Italiens war der Europa-Park Rust, ein vielfach preisgekrönter Vergnügungspark. Der Europa-Park ist ein Themenpark, der sich früh in seiner eigenen Geschichte dem Land Italien als Themenbereich zugewandt hat. Themenbereich, das bedeutet, dass ein Land Europas auf einen überschaubaren Raum zusammengezogen wird, fokussiert und auf den Punkt gebracht wird. In einer Weise findet dies statt, dass ein immersives Erleben des jeweiligen Themas möglich wird. Charakteristische Narrative und architektonische Bauweisen und Gestaltungsformen vereinen sich dort nicht zu einem Klischee, sondern zu einer authentischen Ableitung abstrahierter Architekturprinzipien, die auf das jeweilige Land zwar verweisen, es aber nicht kopierend und rekonstruierend darstellen, sondern seine Merkmale aufnehmen und weiterentwickeln. Darin besteht die besondere Vorgehens- und Gestaltungsweise des Europa-Parks. Genau das macht den Park für die Forschung interessant.

„Italien stellt eine Keimzelle der vielen Themen dar, die im Laufe der 51-jährigen Geschichte des Parks formten.“ Das ist eine der Thesen, die im Buch vertreten wird.

Für die Third Mission des akademischen Bereichs ist ein Vergnügungspark nachgerade naheliegend: Wo lassen sich sonst 7-8 Millionen Menschen pro Jahr erreichen, wenn nicht zwischen Achterbahnen und immersiven Architekturen?

Das Buch ordnet den Europa-Park kulturhistorisch in die Geschichte und die Geschichten einer 2000-jährige europäischen Vergangenheit ein. Von den Etruskern über die Römer, den Stauferkaiser Friedrich II., die italienischen Humanisten bis in die jüngste Vergangenheit reichen die Themen, von Malerei, Kunst, Film Schweizer Garde, der italienischen Küche, den Weinen bis zur Musica leggera.

Die Kunst der Rezeption

Doch das Buch leistet noch mehr. Es ergründet analytisch die Art und Weise der Italienrezeption, die in Rust große Besucherströme in ihren Bann zieht. Die Charakteristik Italiens, der Umgang mit seiner Geschichte, die Durchmengung und Verdichtung von Antike, Mittelalter und Moderne macht das Besondere dieses Landes aus, das im Europa-Park zu einem Gestaltungsprinzip erhoben wurde und sich heute letztlich in allen Themenbereichen wiederfindet. Dazu gehört der Umgang mit verschiedenen Zeitschichten, die in einer collagierten Gegenwart erscheinen, dazu gehört die Rezeption selbst, die von den italienischen Humanisten vorgelebt wurde, die Wiederentdeckung und Wiederbelebung der Antike und ihre Überführung in alle Lebensbereiche, die sich auch heute noch als soft power Italiens global entdecken lässt. Überall auf der Welt finden sich Transportgüter der italienischen Humanisten, in der Küche, im Wein, im Design, in der Gartengestaltung und in vielem mehr.

Wie diese Rezeption Italiens funktioniert, ergründet das Buch am Beispiel des Europa-Parks Rust. Die meisten Fotografien wurden dort aufgenommen. Sie zeigen: Italien im Europa-Park.

Stefan Lindl, am 25. Oktober 2026

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