Was war Gernsbach? Ein Friedensappell – Metanoia 

In einem Beitrag auf meinem Blog vom 21. April 2026 wies ich auf meine wissenschaftlich-historische Beschäftigung mit der Gemeindereform in den 1970er Jahren in Bayern hin. Dort wurden von oben herab, von der Landesregierung, neue kommunale Einheiten gebildet. In Baden-Württemberg verlief diese Gemeindereform wesentlich partizipativer, Gemeinden konnte sogar darüber abstimmen, wohin sie gehen möchten. Die Ortschaftsräte zeugen auch noch davon, von einem Hauch der ehemaligen kommunalen Souveränität. So etwas gibt es in Bayern nicht. Schauen Sie sich die Geschichte des kleinen Dorfes Ermershausen in Unterfranken an. Es gäbe viele weitere Beispiele, die alle nicht in dieser Widerstandsqualität erscheinen, aber ähnlich langlebige Zerwürfnisse generierten. Sie werden am Beispiel Ermershausen verstehen, wie schwierig es für die Bürgerinnen und Bürger ist, mit Politik von oben herab zu leben, wenn ihre Lebensgestaltung verändert wird. Politik muss die Menschen auch und ganz besonders in schwierige Einschnitte mitnehmen. Während es also im Baden-Württemberg der 1970er Jahre Partizipation gab, gab es in Bayern gewaltige Auseinandersetzungen, die Jahrzehnte anhielten und diese Auseinandersetzungen sind bis heute erlebbar. Warum? – Weil die Reform verordnet war! Wie in Gernsbach das Zukunftspaket 2026. So etwas kann nur in einer kommunalen Katastrophe enden. Bayern hat es nicht sehr glorreich vorgemacht. Und Gernsbach hat wiederholt, was nicht wiederholt werden hätte müssen. 

Der denkwürdige Montag, 6. Juli 2026, des Gernsbacher Wortgefechts, erinnerte mich an die Veranstaltungen in den 1970er Jahren in Bayern, so wie sie in Archiven mannigfach überliefert sind. Das hätte sich der Bürgermeister Gernsbachs, aber auch die Gemeinderäte und die Verwaltung, nun wirklich ersparen können. Aber sie wollten nicht. Wollen sie es auch jetzt nicht mehr?

Die Verwerfungen, so schrieb ich in meinem Beitrag vom 21. April 2026, führten in Bayern dazu, dass die CSU in viele Gemeinden nicht mehr Fuß fassen konnten. Der Aufstieg der Interessensgemeinschaften und freien Gruppierungen, die dann zu den Bayerischen Freien Wählern auf Landesebene führten, gehen darauf zurück, auf die staatliche Machtdemonstration. 

In Gernsbach wurden alle politischen Fehler, wiederholt, die es schon in den 1970er Jahren gegeben hat. Es wäre gut gewesen das Baden-Württembergische Procedere der Gemeindereform anzusehen und zu übernehmen. Geschichte hilft manchmal. Allein das wollte in Gernsbach gegen den Willen der Grünen, die offenbar einen diesbezüglichen Antrag gestellt hatten, keine (!) andere Fraktion. So die Auskunft von Frau Birgit Gerhard-Hentschel. Wann auch immer die Ablehnung dieses Antrags stattfand: Hier liegt der Urgrund des Problems, der momentan in Gernsbach nicht mehr einzufangen ist.

So bleibt nur ein Appell an den Bürgermeister, er möge einlenken. Diese Angelegenheit wird nicht auszusitzen sein. Wenn Julian Christ aus Gernsbach weggezogen sein wird, in eine neue Kommune und in einem neuen Amt etabliert, dann werden diese Probleme, die Gernsbach hat, nicht vergangen sein. Es liegt in der Verantwortung aller Gemeinderäte, dies zu beherzigen. Und noch einmal ein Rat: Schauen Sie nach Bayern, schauen Sie sich genau diese Verwerfungen an. Die Langzeitwirkung solcher oktroyierten Maßnahmen ist erschreckend. Sie werden sie in Gernsbach ebenso wenig wie in Bayern vermeiden können. Es ist politisch nicht klug, in diesem Fall auf Positionen zu verharren.

In der griechisch-philosophischen Tradition gibt es ein Wort, der treffend das Leitwort sein könnte: Metanoia. Das ist die Umkehr und die grundlegende Wende des Denkens. Für Gernsbach wäre dieses Wort der Anfang eines neuen bürgerlichen Selbstverständnisses. Zusammen! Gemeinsam aus dieser Krise heraus.

Die Chance

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